Wolfgang Huste Polit- Blog

Eine Revolution kann man weder planen, noch anordnen, noch herbeireden. Von Wolfgang Huste

Samstag, 08. Dezember 2018 von Huste
Eine Revolution kann man weder planen, noch anordnen, noch herbeireden. Das gilt sinngemäß auch für Revolten, also für kleinere, räumlich, thematisch und zeitlich begrenzte Aufstände, die das jeweils herrschende Regime, die jeweils vorherrschende Gesellschaftsformation (in Europa ist es der Kapitalismus) nicht ernsthaft in Frage stellt oder gar bekämpft. Eine Revolution bricht dann aus, wenn nicht nur die Arbeiterklasse, sondern auch die Mittelschicht, also das Bürgertum, keine anderen, legalen, also gesetzeskonformen Möglichkeiten sieht, die soziale und ökonomische Situation deutlichst zum Besseren hin verändern zu können. In der BRD ist der Leidensdruck für die Majorität anscheinend noch nicht groß genug, deshalb gibt es keine entsprechenden Aktivitäten auf den Straßen und Plätzen, höchstens zeitlich und inhaltlich nur sehr begrenzte, punktuelle.
Eine Revolution kann auch nach "rückwärts" gehen, in Richtung einer autoritären, reaktionären bis faschistoiden Konterrevolution. Das wäre eine Tragödie. Aktuell haben wir ja in ganz Europa eine Entwicklung, die rechte bis rechtsradikale Parteien einen Auftrieb beschert. Insbesondere in der BRD ist ein widerständiges und kämpferisches Klassenbewußtsein - im Sinne einer linken oder gar sozialistischen Stoßrichtung - eher nur noch rudimentär vorhanden. Da haben die marktradikalen/neoliberalen Parteien in enger Zusammenarbeit mit den pro kapitalistischen Medien und den beiden Staatsdoktrinen "Antikommunismus und Antisozialismus", in Verbindung mit der entpolitisierenden Sozialpartnershaftsideologie konservativer Gewerkschafter und der SPD, ganze Arbeit in den letzten Jahrzehnten geleistet. Anscheinend erfolgreich. Leider ist dem so.

Prof. Dr. Stephan Bundschuh (Hochschule Koblenz). Geschichte und Gegenwart des Rassismus. Manuskript der Rede am Campus Remagen zum Tag der Demokratie in Remagen am 17.11.2018

Mittwoch, 21. November 2018 von Huste
Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, es ist ein Skandal, dass die Rechte in Remagen marschiert. Ihre Geschichtsklitterung und Verharmlosung des Nationalsozialismus sind gegen die Freiheit und gegen die menschliche Solidarität gerichtet. Ein rechter Aufmarsch wie heute ist in einem demokratischen Staat nicht legitim und gehört verboten. Deshalb haben auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Aufgabe, im Interesse von Wissenschaft und Gesellschaft gegen Rechts zu protestieren. Die Wissenschaft als Teil der Gesellschaft soll, unter Verpflichtung auf Erkenntnis und Wahrheit, die Gesellschaft darin unterstützen, zum Wohle aller beizutragen. Es kann uns als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht gleichgültig sein, wenn Nazis herummarschieren, die zerstörerische Traditionen fördern, Verbrechen verharmlosen, falsche Nachrichten verbreiten und Segregation statt Solidarität predigen. Ein kurzer Blick in die Geschichte genügt, um die Falschaussagen der Nazis zurechtzurücken. Vor wenigen Wochen hatten wir die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz zu Gast an unserer Hochschule. Fünf Jahre war sie alt, als ihre Kindheit auf einen Schlag durch den deutschen Einmarsch in Polen 1939 beendet wurde. Die folgenden fünf Jahre waren ein Albtraum, geprägt von Flucht, Besatzung, Enteignung, Gettoisierung, Versteck, Verrat und Ermordung ihrer Eltern. Gegen alle Wahrscheinlichkeiten überlebte Frau Kretz, versteckt in einem Kinderheim. Sie war am Ende des Krieges gerade einmal 10 Jahre alt. Henriette Kretz war als Jüdin besonderer Verfolgung ausgesetzt. Aber viele Kinder aus den von Deutschland besetzten Gebieten hatten ähnliche Schicksale. Anja Grubina, 1941 12 Jahre alt, berichtet aus dem von der deutschen Armee ausgehungerten Leningrad: „Seit der Blockade kenne ich jedes essbare Unkraut, die Menschen aßen alles Grüne in der Stadt auf. In den Parks und im botanischen Garten gab es, wenn der Frühling vorbei war, keine Blätter mehr“. Und sie erzählt, dass manche Kinder „durch 2 den Hunger die Haare verloren. Wir machten keine Dummheiten, tobten nicht herum. Wir saßen da und schauten. Und aßen alles ...“1Überlebende Kinder berichten von der Ermordung ihrer Eltern – von den Deutschen gerne vor ihren Augen vollstreckt – und ihrem völligen Alleinsein und Verlorensein. Sie erzählen von der deutschen Brutalität, von Kälte und Dunkelheit in Kellerverstecken oder Bewegungslosigkeit und Hitze auf Dachböden. Kinder verstummen vor Schreck und suchen später vergeblich nach ihren ursprünglichen Namen. Manche waren zu klein, um ihn zu kennen, andere mussten ihn vergessen, um zu überleben. Einiges Leid haben auch deutsche Kinder erfahren. In der Dramatik der Erfahrung aber liegt der Unterschied. Deutsche Kinder waren in diesem Krieg überwiegend in Städten, weniger auf dem Lande betroffen. In den besetzten Ländern aber traf es alle. Und es gibt auch einen Unterschied in der Ursache des Leidens: Die Eltern deutscher Kinder waren verantwortlich für diesen Krieg, die Eltern der anderen sind Opfer des Krieges geworden. Alle Kinder dieser Zeit aber waren Opfer des verbrecherischen deutschen Regimes, das ohne die deutsche Wehrmacht ein zahnloser Tiger geblieben wäre. Zum Glück also wurde die deutsche Wehrmacht zerschlagen, auch hier auf den Rheinwiesen. Auch die Wissenschaft hat bei den Nazis mitgespielt. Ihre dunkle Seite reicht bis in die Anfänge der modernen Wissenschaft zurück. Bedeutende Philosophen wie Immanuel Kant oder Georg Wilhelm Friedrich Hegel haben nicht nur über Freiheit reflektiert, sondern auch rassistische und koloniale Positionen vertreten. Biologie, Geschichte, Wirtschaftswissenschaften oder die Soziale Arbeit haben nicht nur den gesellschaftlichen Fortschritt, sondern auch Herrschaft, Macht, Ausbeutung, Gewalt und Krieg legitimiert und angestrebt. Der Zweite Weltkrieg wäre ohne wissenschaftlichen Fortschritt nicht möglich gewesen. Er bedurfte der Wissenschaft, um solch enorme Zerstörungs- und Vernichtungskräfte zu entfalten, die die Menschheit schließlich verschlungen hat. Eine ungeheure gesellschaftliche Energie ist für die Entwicklung von Massenvernichtungsmitteln vergeudet worden und wird noch immer verschwendet. 1 Alexijewitsch, Swetlana (2014): Die letzten Zeugen. Kinder im Zweiten Weltkrieg. München: Hanser, S. 240f. 3 Damals haben Bevölkerungswissenschaftler große Umsiedlungspläne entwickelt. Deren Umsetzung durch die Nazis forderte Millionen Opfer in ganz Europa. Die Rassentheorie gab sich einen wissenschaftlichen Anstrich. Ganze Abteilungen erforschten die Rasse pseudowissenschaftlich. Glücklicherweise waren diese Forschungen nach 1945 erledigt. Heute sind jeder Biologismus und jede genetische Forschung, die aus der menschlichen Biologie unterschiedliche soziale Rechte ableiten, gesellschaftliche Hierarchien begründen oder Bildungsungleichheiten rechtfertigen, zu Recht geächtet. Aber ich warne: Das scheint sich gerade zu ändern. Es verändert sich die öffentliche Rede. Es verschiebt sich der politische Diskurs. Nationalismus macht sich in Europa breit und biologistische Argumente kehren wieder, sie drängen an die Öffentlichkeit. Diesen Dienstag war in der renommierten Süddeutschen Zeitung ein Artikel über Bildung und Genetik zu lesen. Die Schlagzeile lautete: „Die Abitur-Gene“. 2 Der Artikel berichtete über genetische Forschungen aus England, Deutschland und anderen Ländern. Darin wird behauptet, dass „bis zu 60 Prozent des unterschiedlichen Bildungsniveaus von Menschen [...] genetisch bedingt“ seien. Gene wären dafür verantwortlich, ob sich Studentinnen und Studenten an renommierten oder unbekannten Hochschulen einschrieben. Und mit einem Bild aus der Pflanzenwelt wird erklärt, dass selbst „mit noch so guter Pflege [...] eine Blume, die die Gene eines Gänseblümchens in sich trägt, keine rote Rosenblüte hervorbringen“ wird. Merken Sie den Trick? Sehen Sie die Wertung? Gänseblümchen und Rose sind in eine Hierarchie von Qualität und Schönheit gebracht. Und das soll nun umgekehrt für die Gesellschaft gelten? Solch ein Unsinn wird wissenschaftlich Sozialdarwinismus genannt und ist ein wichtiger Bestandteil rassistischen und rechten Denkens. Viele Menschen glauben diesen Quatsch und gerade Akademikerinnen und Akademiker sind für solche natürlichen Erklärungen von Bildungsunterschieden anfällig. Eine solche rassistische Bildungsauffassung hat sich zuletzt im rassistischen Schulsystem des südafrikanischen Apartheidstaats manifestiert. Der aber existiert nicht mehr. Um die Wiederkehr solch einer rassistischen Gesellschaft zu verhindern, müssen wir auch die akademischen Meisterdenker des Rassismus bekämpfen. 2 Blawat, Katrin (2018): Die Abitur-Gene. In: Süddeutsche Zeitung vom 13.11.2018, S. 16. 4 Was wäre das für eine Wissenschaft, die den Brandstiftern im eigenen Haus nicht entgegentritt? Wissenschaft muss die brennenden Fragen der Gegenwart aufgreifen. Die Gewaltforschung, die politische Bewegungsforschung, die Parteienforschung, die Autoritarismus-, die Vorurteils- und die Rassismusforschung, sie alle nehmen sich unseres heutigen Problems an und werden sich auch künftig nicht davon abhalten lassen, wenn der politische Gegenwind stärker wird. Wissenschaft stellt ein Korrektiv gegenüber Meinungen dar. Sie beansprucht eine Objektivität der Erkenntnis. Sie findet nicht im Elfenbeinturm statt, sondern steht mitten im gesellschaftlichen Widerstreit. Sie hat sich in wissenschaftlicher Weise, das heißt kritisch und engagiert, für eine solidarische Gesellschaft einzusetzen. Sie hat sich gegen Diskriminierung, Ausgrenzung, Abschiebung, Segregation, die Verharmlosung des Nationalsozialismus und politischen Mord zu positionieren. Nehmen wir die Forderung der nunmehr 84-jährigen Henriette Kretz bitter ernst, alles zu tun, dass sich das, was sie durch Deutschland erlebt hat, niemals wiederholt. Vielen Dank!

Kleine Anmerkungen zum Lebensstandard in der DDR. Von Wolfgang Huste

Mittwoch, 21. November 2018 von Huste
Auch das sollte man zur Kenntnis nehmen, wenn man den Lebenstandard in der DDR kritisiert: Hätte man den Marshall-Plan nicht in der BRD, sondern in der damaligen "sowjetischen Besatzungszone", der DDR, zum Einsatz gebracht, wären die ökonomischen Verhältnisse umgekehrt gewesen. Damals gab es noch die Systemkonkurrenz zwischen der kapitalistischen BRD und dem (gescheiterten) Sozialismusversuch(!) der DDR. Der Marshall-Plan sollte ein "Bollwerk" gegen die Systemkonkurrenz schaffen. Seitdem die DDR nicht mehr existiert, kann der Kapitalismus in der BRD die Sau herauslassen, soll heißen: Sozialabbau auf allen Ebenen! In der DDR gab es keine Wohnungs- und Obdachlosen, keine Armutsrenten, keine Armutslöhne, keine Massenerwerbslosigkeit, auch keine Massenentlassungen, keine Finanz- oder Wohnungsspekulanten, keine Bankster, keine privaten Konzerne, keine Hartz-Gesetze. Vom Boden der DDR ging niemals ein Krieg aus. Jeder hatte eine bezahlbare Wohnung. Faschisten, Rassisten und Reaktionäre wurden nicht in Fernseh-Talkshows eingeladen, erhielten keine Plattform in Zeitungen oder anderen Medien, oder gar in Schulen. Ihre menschenfeindliche Weltanschauung wurde - mit Recht - geächtet. Es gab keine Stromsperren, eine kostenfreie Gesundheitsversorgung für alle, genügend Kita-Plätze, ein sehr gutes Bildungssystem, keine Studiengebühren, die Grundnahrungsmittel waren sehr preiswert usw.. Die Frauen in der DDR waren schneller gleichberechtigt gegenüber den Männern als die Frauen in der BRD. Der größte Teil der Amerikaner, und nicht nur die, würden sehr gerne den damaligen Lebensstandard der DDR haben wollen. Es gab in der DDR keine Reisefreiheit, bis auf Reisen in "befreundete Bruderländer". Aber seien wir mal ehrlich: Wer von uns kann sich eine Reise in ein Land leisten, das außerhalb von Europa liegt? Nur die Besserverdiener! Nun stellt sich die Frage: Warum hat sich der Sozialismus noch nicht bei uns durchgesetzt? Weil die offizielle Staatsdoktrin in allen pro kapitalistischen Ländern der Antisozialismus/Antikommunismus ist- und das schon seit über 100 Jahren. Antifaschismus und Antirassismus sind dagegen keine Staatsdoktrinen. Faschisten werden ehr halbherzig, Kommunisten/Sozialisten dagegen mit aller Macht staatlicherseits bekämpft. Der Satz: "Auf dem rechten Auge ist der Staat blind!" galt nicht nur für die Weimarer Zeit, er gilt auch heute noch. Von der Wiege bis zur Bahre werden wir auf allen Ebenen, in nahezu allen Medien, in den Schulen und auch in den Universitäten, mit einem Antikommunismus "geimpft". Das hinterlässt in den Köpfen tiefe Spuren, führt dazu, dass die meisten Menschen recht unkritisch eine pro kapitalistische, also marktradikale oder gar rechtsradikale Partei wählen, deren Programmatik mit den "kleinen Leuten" so viel am Hut hat wie ein Känguru mit einer Dampfwalze.

Ist die Weimarer Republik an den „Extremisten“ gescheitert? Von Wolfgang Huste

Freitag, 26. Oktober 2018 von Huste
Die Weimarer Republik ist keineswegs an den vielen, kleinen Parteien gescheitert (von denen die meisten eher rechts bis rechtsradikal waren), auch nicht an den sogenannten "Extremisten" von links oder rechts, wie man es hier und da auch heute noch im Schulunterricht hören kann. Die Weimarer Republik ist vielmehr gescheitert am antikommunistisch und antisozialistisch ausgerichteten Staat selbst, der eher Linke als Rechte bekämpfte, konkret: Die KPD und die Sozialdemokraten, aber auch führende Gewerkschafter. Es war ein grober, historischer Fehler, dass die KPD und die SPD nicht von Anfang an ein Bündnis gegen die rechten Kräfte im Staat bildeten, hier keinen antifaschistischen und antimilitaristischen Minimalkonsens fanden. Als es dann doch in die richtige Richtung ging, war es zu spät. Die meisten Richter, Staatsanwälte, Polizisten und die Reichswehr, die Freikorps, ebenso viele hohe Beamte, waren ideologisch selbst faschistoid bis faschistisch orientiert. Die Weimarer Republik ist zweitens durch die Menschen gescheitert, die sich politisch "neutral" verhielten, sich nirgendwo einmischten, die nicht in einer Gewerkschaft, in einer fortschrittlichen Partei oder in einer vergleichbaren Organisation Mitglied waren, die meinten: "Die Rechten sind nicht die "Bösen", die eigentliche Gefahr für unsere Demokratie- sondern weit eher die Linken!". Es sind Menschen gewesen, die dem rechten Mob weder einen aktiven, noch einen passiven Widerstand entgegensetzen. Es war die schweigende, entpolitisierte Mehrheit - eine (eher bürgerliche) Mehrheit ohne ein ausgeprägtes, widerständiges und kämpferisches Klassenbewußtsein - und der pro kapitalistische, antikommunistische, antisozialistische, gewerkschaftsfeindliche und damit auch arbeiterfeindliche Staat, die Hand in Hand den Aufstieg der NSDAP erst möglich machten- in enger Zusammenarbeit mit der rechten Presse, mit Hilfe von Einzelkapitalisten und (später) mit Hilfe des Rheinischen Wirtschaftsclubs (Mitglieder waren da unter anderem Krupp, Thyssen und andere Großindustrielle), auch in enger Zusammenarbeit mit den herrschenden, reaktionären Eliten, mit anderen rechten Parteien und Gruppierungen. Diese reaktionäre bis faschistoide Gemengelage innerhalb der Weimarer Republik brachte die NSDAP letztendlich an die Macht. Die Parole: "Nie wieder Faschismus!" ist längst überholt- wir sind wieder mitten drin! Keineswegs sollten wir uns aber mit dem Status quo abfinden, erst recht nicht gegenüber dem reaktionären Rollback in der Gesellschaft - den wir auch in ganz Europa vorfinden - neutral bleiben oder gar resignieren. Besser ist es, wenn wir breite, antireaktionäre, antifaschistische und antirassistische Bündnisse bilden, auch auf der kommunalen Ebene - auch über Parteigrenzen hinweg, selbst über Staatsgrenzen hinweg! Gegenüber Faschisten und Rassisten sollten wir immer klare Kante zeigen- überall und täglich!

Einige kritische, wohlgemeinte Anmerkungen zur (virtuellen) Bewegung(?) „Aufstehen“. Von Wolfgang Huste

Freitag, 26. Oktober 2018 von Huste
Gemeinsam sind wir stark- aber nur, wenn wir uns über die Programmatik, über unsere politischen Inhalte und Ziele, einig sind. "Klarheit geht vor Einigkeit!" Was nützen uns hohe Wahlprozente, viele Menschen, die sich virtuell (!) versammeln und dort aktiv werden, statt im realen Leben, "vor Ort", in den Kommunen? Was nützen uns Mehrheiten, wenn wir im schlimmsten Fall falsche Inhalte und Ziele propagieren, wenn wir "die Elche" kritisieren (mit Recht!) - aber dann im schlimmsten Fall selbst zu Elchen mutieren? Wie kann man den Menschen ein kritisches, auch widerständiges und kämpferisches, sozialistisches, antimilitaristisches, antifaschistisches, antirassistisches, ein pro ökologisches und pro feministisches Klassenbewußtsein vermitteln, wenn man es selbst nicht im Kopf hat, wenn man das nicht "gelernt" hat? Auch hier lautet die Devise: Input gleich output! Die herrschenden Meinungen sind bekanntlich die Meinungen der Herrschenden! Was in die Köppe kommt, kommt da auch wieder entsprechend raus. In die Köppe kommt unter anderem - von der Wiege bis zur Bahre! - die Staatsdoktrinen Antikommunismus und Antisozialismus. Antifaschismus und Antirassismus sind dagegen keine Staatsdoktrinen. Mein Vorschlag: Bildungsbeauftragte in den Gruppen wählen, die besser politisch "Durchblicken" als die meisten, die mehr politische Erfahrung mit sich bringen, auch theoretisch gut fundierte Inhalte vermitteln können, nach dem Motto: "Gemeinsam lernend und uns solidarisch korrigierend schreiten wir voran!". Wir sollten den interessierten Menschen konkrete (!) Handlungsmöglichkeiten und Handlungsperspektiven anbieten!

„Die Stadt und die Wohnungen sind für die Menschen da, nicht für den Profit!“. Pressemitteilung von Wolfang Huste, Stadtrat DIE LINKE Bad Neuenahr – Ahrweiler, zum Tagesordnungspunkt 3 der Stadtratssitzung vom 20. 08. 2018

Dienstag, 21. August 2018 von Huste
Bad Neuenahr-Ahrweiler bietet viele Arbeitsplätze in Kliniken, den Hotels, in Gastronomie und im Einzelhandel. Die Beschäftigten, in der Mehrzahl Frauen, finden jedoch keine bezahlbaren Wohnungen. Sie müssen auf umliegende Ortschaften ausweichen. Sie sind gezwungen mit dem Auto zu pendeln, weil der ÖPNV von der Taktung her nicht an die Arbeitszeiten angepasst ist. Besser wäre es, wenn man mehr preiswerte Mietwohnungen in der Nähe der Arbeitspätze baut. Kürzere Wege zu den Erwerbsarbeitsplätzen entlastet auch die Umwelt. Der Bauboom in der Stadt schafft nur neue und teure Eigentumswohnungen. Verschärfend kommt noch hinzu, dass viele ehemalige Mietwohnungen im Stadtgebiet hier und da zu Ferienwohnungen umgewidmet wurden. Diese Räumlichkeiten stehen dadurch dem freien Wohnungsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Der Antrag der SPD und der FWG auf Gründung einer Kommune eigenen Wohnbaugesellschaft für Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde von der CDU-Fraktion abgelehnt. Der Bürgermeister wartet da eher auf Lösungen der Bundesregierung. Der Standpunkt der Linken: Es ist einfach, die Verantwortung auf die Bundesebene abzuschieben. Die Stadt hat aber gegenüber dem Bürger eine Fürsorgepflicht. Und dazu gehört es auch für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Daher ist eine Kommune eigene Wohnbaugesellschaft ein Weg in die richtige Richtung. Der soziale Wohnungsbau ist in ganz Deutschland drastisch zurückgegangen. Dieser Trend muss dringend umgekehrt werden. Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau, im Sinne des Slogans: „Bezahlbare Mieten statt Renditen!“. Die hiesige CDU favorisiert statt einer Wohnbaugesellschaft eine kommunale Baugenossenschaft. Was dagegen spricht: Das Klientel, was abhängig ist von finanziell günstigen Sozialwohnungen, hat nicht die finanziellen Mittel, um Genossenschaftsanteile zu erwerben. Da denke ich jetzt nicht nur an die vielen Hartz IV - BezieherInnen, sondern auch an viele andere Menschen, die am Rande der Armutsgrenze leben, zum Beispiel Menschen mit einer Armutsrente, oder alleinerziehende Mütter in prekären Lebenssituationen. Auch die sind nicht in der Lage, Genossenschaftsanteile zu kaufen. Des weiteren muss definiert werden, wie hoch so ein Mindestanteil sein soll und ob man auch berechtigt ist, mehrere Anteilsscheine zu zeichnen und falls ja, dann stellt sich die Frage: Hat man dann mehr Rechte als jemand, der nur einen Anteilsschein besitzt, wird man dann in irgendeiner Weise bevorzugt, bekommt man dann zum Beispiel schneller eine Sozialwohnung zugewiesen? Wie hoch ist die Verzinsung? Und wie lange müssen dann die Antragsteller statistisch warten, bis sie in eine Kommune eigene Sozialwohnung einziehen dürfen? Eine Wohnbaugesellschaft ist da sicherlich die bessere Lösung. Dann wird für alle Menschen gebaut, auch und gerade für den finanziell schwächeren Teil der Bevölkerung. Mein Slogan lautet hier: „Die Stadt für die Menschen, nicht für den Profit!“. Im Haupt- und Finanzausschuss enthielt sich die Fraktion der Grünen und der Wählergruppe Jakobs bezüglich der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft, wo aus meiner Sicht zumindest tendenziell eine Zustimmung zum Antrag der SPD und der FWG zwingend notwendig war und ist.   Die Devise der CDU und FDP lautet mantramäßig: "Privat vor Staat!" . Dies ist sicherlich die falsche Losung, denn: Private Investoren wollen Rendite machen, die haben kein Interesse am sozialen Wohnungsbau. Auch DIE LINKE Ahrweiler unterstützt demnach den Antrag. Schon im Jahre 2014 forderte ich öffentlich, dass auf großen, zusammenhängenden, Kommune eigenen Grundstücken mindestens 30 bis 40% der Baufläche mit Sozialwohnungen bebaut werden müssen, statt nur mit Eigenheimen oder Eigentumswohnungen. Die Stadt Münster in Westfalen ist da schon weiter: Dort hat der Stadrat die Anregung der ebenfalls im Stadtrat vertretenen Linken mittlerweile aufgegriffen und eine Quote von 50% (!) beschlossen. Es ist eine gute Sache, wenn die Kommune von Anfang an selbst als "Wirtschaftssubjekt" tätig wird, das "Zepter" über die Bauhoheit selbst in eigenen Händen belässt, statt diese oder jene "Projekterschließung" in rein private, Gewinn orientierte Hände zu legen. Auch hier braucht man nicht immer auf "Wunder von oben" warten, hier: In Form einer Neuauflage des steuerlich geförderten sozialen Wohnungsbaus auf Bundesebene. Auch die Kommunen können entsprechend tätig werden, von der ersten Bauphase bis hin zur Vermietung. Ich bin gespannt, wie die übrigen Parteien im Stadtrat dieses Ansinnen mit unterstützen. Ergänzend hierzu noch folgende Anregung: Die Stadt München geht noch einige Schritte weiter. Dort kauft die Stadt seit einigen Jahren jedes Jahr verstärkt diverse Grundstücke an, auch Grünland, was ja in der Regel in absehbarer Zeit Bauland wird, da die Stadt wie viele andere Städte auch sich immer weiter in die Peripherie ausdehnt und dementsprechend vormaliges Brachland zu Bauland umwidmet. Dafür ist im Haushalt ein entsprechendes Budget eingeplant. Auf diesen Kommune eigenen Grundstücken werden bevorzugt Mietpreis gebundene Sozialwohnungen oder erschwingliche Häuser für junge Familien gebaut. Die Grundstücke werden nur in Erbpacht vergeben. Früher gab es hier und da die Unsitte, dass solche Erbpachtgrundstücke nach Ablauf der Spekulationsfrist mit einem entsprechenden Gewinnaufschlag weiterverkauft wurden. Das hat nun die Stadt München unterbunden, um so die Spekulationsspirale von Anfang an zu durchbrechen. Die neu errichteten Wohnungen unterliegen einer genau definierten, sozial ausgewogenen Mietpreisbremse. Diese Mietpreisbremse wird auch kontolliert und es sind Sanktionen vorgesehen, wenn die Mietpreisbremse nicht eingehalten wird. Zusätzlich könnte folgende Regelung den sozialen Wohnungsbau erleichtern und sogar befördern: Besitzer von Mietwohnhäusern, die nachweisbar Sozialwohnungen zu günstigen Mieten in einer Kommune anbieten, müssen eine geringere Grund- oder Bodensteuer zahlen als diejenige, die zum Beispiel Wohnraum als reine Renditeobjekte - zum Beispiel in Form von Eigentumswohnungen, von Luxuswohnungen für "gut Betuchte" - dem Wohnungsmarkt anbieten. Diese von mir skizzierte Regelung soll sinngemäß auch für Häuser, Wohnungen und Grundstücke gelten, die sich in Händen von sozial engagierten, gemeinnützigen Vereinen befinden. Da sollte man sogar prüfen, ob die Befreiung einer Grund- oder Bodensteuer für solche gemeinnützigen Einrichtungen generell möglich ist. Einen allgemeinen Einheitswert für die Berechnung einer Grundsteuer, bei der nicht wie von mir vorgeschlagen entsprechend nach sozialen Kriterien differenziert wird, finde ich ungerecht, da sozial unausgewogen. Meine generelle Forderung lautet hier: Kommune eigene Grundstücke, also das „Tafelsilber“ einer Kommune, sollten nur noch als Erbpachtgrundstücke verkauft werden. Der Vorteil: Die Grundstücke bleiben weiterhin auch für nach uns folgende Generationen im öffentlichen Besitz. Dagegen ist die Privatisierung des vormals öffentlichen Eigentums nichts weiter als eine freiwillige Selbstenteignung der Kommune und somit der hier lebenden Menschen!

Kritische Anmerkungen zum „Kontraste“ – Film über kriminell agierende Familienclans in Deutschland. Von Wolfgang Huste

Freitag, 03. August 2018 von Huste
Was sind kriminelle, mafiös strukturierte Familienclans gegenüber den Hedgefondspekulanten, gegenüber international handelnden Finanz- und Immobilienspekulanten, oder gegenüber denjenigen, die mit Milliarden Euro Beträgen in der Lage sind, in kürzester Zeit Nahrungsmittel zu verteuern (Stichwort hier: Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmittelderivaten)? Wenn zum Beispiel in Mexiko, wo der Mais seit Jahrhunderten ein Grundnahrungsmittel ist, der Kilopreis um nur 10 Cent erhöht wird, so bedeutet das indirekt mehrere Tausend (!) Tote in Mexiko bei dem ärmsten Teil der mexikanischen Bevölkerung. Die Europäer können sich das kaum vorstellen, dass es so ist. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus (da ist es vielleicht der Reis, nicht der Mais, der Grundnahrungsmittel ist). Diese kriminellen Familienclans, wie gestern abend im Film dargestellt, sind dagegen noch nicht einmal winzige (!) Fische! Der "Kontraste" - Film von gestern zeigte demnach noch nicht einmal die Spitze des Eisberges der international handelnden Großkrimininellen, ganz abgesehen davon, dass nicht alle Familienclans kriminell sind. Dieser Film ist, in dieser auch durch Medien "aufgeheizten" Zeit, "Zucker" für die AfD und für Rassisten gewesen, zumindest (!) eine indirekte Wahlhilfe für die AfD. Das konnte man sehr deutlich an den rassistisch und Hass gefärbten Kommentaren auf der "Kontraste"-Seite nachlesen. Der Film hat auch nicht dargelegt, welchen ideologischen Hintergrund diese Menschen haben. So wurde zum Beispiel nicht darauf hingewiesen, dass viele dieser Kriminellen aktive Anhänger der "Grauen Wölfe" sind und mit dem Erdogan-Regime sympathisieren, hier in Deutschland auch den Wahlkampf der AKP mit finanzierten. Für mich blieb dieser Film an der Oberfläche haften, weil er phänotypisch nur auf die "kleinen Fische" zeigte, (bewusst?) aber nicht auf die großen - denn die wurden in dem Film völlig ausgeblendet! Auch darauf wurde nicht hingewiesen, auch das werte ich als organisierte Kriminalität: Acht Milliardäre besitzen genauso viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung und die reichsten 1 Prozent besitzen mehr als 50 Prozent des globalen Vermögens! Ganz abgesehen davon, dass die Wirtschafts- und Gesellschaftsformation "Kapitalismus" selbst ein verbrecherisches System ist, das täglich (!) Tausende von Menschen in unterschiedlichster Form tötet oder ökonomisch vernichtet, unter anderem durch Betrug, durch imperialistische Kriegseinsätze, durch das (zumindest indirekte) Produzieren von Hungerkatastrophen, durch internationale Finanzspekulationen. So sind zum Beispiel die internationalen Handelsgesetze nur dazu da, den international organisierten Betrug zwischen den Konzernen in geordnete Bahnen zu lenken, damit sich die Einzelkapitalisten, in Form von Konzernen und Banken, sich nicht gegenseitig ökonomisch zerfleischen. Diejenigen, die Handelskriege anzetteln, mit den entsprechend negativen Auswirkungen für die Ärmsten der Armen, für die Umwelt, die Natur, sind weit größere Verbrecher als die im Film gezeigten Familienclans. Dieser Zeitungsartikel (siehe link) ist schon ein paar Jahre alt, aber inhaltlich immer noch sehr aktuell und differenziert formuliert: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kriminalitaet-mafioese-strukturen-sind-verbreitet.11d2baf5-d5a0-4547-a7b2-19f948e72b0e.html

Offener Brief an die Stadtbürgermeisterin von Bad Breisig und an den dortigen Stadtrat. Von Wolfgang Huste

Mittwoch, 01. August 2018 von Huste
Bad Breisig tut sich schwer mit einem grausamen Geschehen in der jüngeren Geschichte. In der Nacht zum 1. August 1992 wurde Dieter Klaus Klein, ein Obdachloser, im Kurpark von Neonazis brutalst ermordet. Bis heute erinnert keine Gedenktafel an das schreckliche Verbrechen. Stattdessen wurde vom Stadtrat beschlossen, eine Stele für die Opfer des Naziregimes zu errichten. Bad Breisig sollte sich ebenfalls dazu entschließen, eine offen zugängliche Erinnerungstafel an die grausige Tat im Kurpark zu installieren. Nicht die Vergangenheit ist hier das Thema, sondern die Gegenwart! Wenn Neonazis Menschen ermorden, sollte man daran erinnern. Es ist das Wenigste, was man tun kann. Statt für alle Opfer der damaligen und heutigen Faschisten jeweils einen Stolperstein zu erstellen, hat man sich nur für eine Gedenkstele für alle entschieden. Mit einer Gedenkstele wird dabei aber keinem (!) der Opfer im einzelnen gedacht, und das ist der eigentliche Skandal! Damit nimmt man den Menschen, die damals und nach 1945 Opfer von Faschisten wurden  zum zweiten Mal ihre Würde, indem man sie zu namenlosen Menschen stilisiert, sie regelrecht "anonymisiert". Eine Gedenkkultur muss anders, konkreter, aussehen! Und: Es darf niemals sein, dass die Vergessenheitskultur die Erinnerungskultur überlagert- nirgendwo!     Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit nehme ich kritisch Stellung zu Ihrem Ansinnen, mit dem entpolitisierenden und auch ahistorischen Satz: In Erinnerung an alle Opfer von nationalsozialistischem und extremistischem Gedankengut“ an die damaligen und heutigen Opfer von Faschisten mittels einer Gedenkstele im Kurpark von Bad Breisig zu erinnern. Ich bitte Sie freundlichst, meinen Diskussionsbeitrag an die Bürgermeisterin der Stadt Bad Breisig und an den Stadtrat, respektive an den Verbundsgemeinderat, weiterzuleiten, vielen Dank. Zu meiner Person: Ich bin Mitglied im Stadtrat Bad Neuenahr – Ahrweiler für die Partei DIE LINKE und habe unter anderem Sozialwissenschaften an der Universität Bielefeld studiert. Ein Schwerpunkt innerhalb meines Studiums war der historische und der Faschismus nach 1945. Der Begriff „Nationalsozialismus“ ist eine politisch desorientierende, eigene Wortschöpfung der NSDAP. Ganz abgesehen davon, dass Sozialismus immer international zu verstehen ist, ist die Verwendung dieses Begriffes in mehrfacher Hinsicht sehr problematisch. Die damaligen Faschisten versuchten mit dieser Wortschöpfung bei der Arbeiterschaft ideologisch „anzudocken“, sich dort anzubiedern, ganz im Sinne des Bildes: „Der Wolf im Schafspelz“. Bekanntlich (?) ist der Faschismus aber eine arbeiterfeindliche und gewerkschaftsfeindliche Bewegung. Das konnte man damals auch daran erkennen, dass am Montag, dem 2. Mai 1933, auf Befehl der NSDAP alle Gewerkschaftshäuser in Deutschland zwangsgeschlossen wurden. Viele Gewerkschaftsfunktionäre wurden in „Schutzhaft“ genommen, viele flohen zuvor ins Exil, andere wurden sogar gefoltert oder ermordet. Fatal ist diese Begriffswahl auch dadurch, dass Gegner einer linken (sozialistischen, marxistischen, kommunistischen...) Bewegung – vorwiegend Strukturkonservative, Reaktionäre und Faschisten - den Gegenbegriff „Linksfaschismus“ oder „rot lackierte Faschisten“ in einer diffamierenden, ahistorischen Weise als Kampfbegriff verwendeten und bis heute verwenden! „Traditionell“ wird dieser Begriff, der übrigens zum ersten Mal 1973 in einem Verfassungsschutzbericht erwähnt wurde (vormals hieß es dort immer „Links- und Rechtsradikalismus“ statt "Extremismus") in erster Linie gegen Linke verwendet, in einem antikommunistischen und antisozialistischem Sinne. Der Extremismusbegriff ist also eine Erfindung, eine Wortschöpfung, des Verfassungsschutzes. Der Extremismusbegriff taucht in keinem Gesetz auf, demnach auch nicht im Grundgesetz. Es stellt sich die Frage: Wer hat da die Definitionshoheit über den Begriff "Extremismus" und über das, was eine politische Mitte kennzeichnet? Das Grundgesetz oder die "Freiheitlich-demokratische-Grundordnung" ist keineswegs mit der Gesellschaftsformation Kapitalismus gleichzusetzen. Die Verfassungsväter und Verfassungsmütter haben es damals offen gelassen, ob die Gesellschaft einen demokratischen Sozialismus oder die Gesellschaftsformation Kapitalismus anstrebt, oftmals euphemistisch und entpolitisierend verbrämt als "soziale Marktwirtschaft" bezeichnet. Einig war man sich nur in der Parole: "Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!". Obwohl: Eine konsequente, radikale Bekämpfung des Faschismus im Sinne des Potsdamer Abkommens gab und gibt es bis heute nicht!  Tatsache ist, dass der Antikommunismus eine offizielle Staatsdoktrin in allen pro kapitalistischen Ländern ist, Antifaschismus und Antirassismus dagegen nicht. Das muss anders und besser werden! Mir ist darüber hinaus auch kein einziger Fall bekannt, wo in Bad Breisig ein Mensch Opfer von linker Gewalt wurde. Mir ist aber sehr wohl bekannt, dass dort ein Obdachloser Opfer einer Gewalttat, eines feigen Mordes, wurde, ausgeübt von brutalen Neonazis. Bis heute weigert sich die Stadt, dort eine entsprechende Gedenktafel aufzustellen, um damit an diesen brutalen Mord zu erinnern. Tatsache ist, dass der Sozialismus/Kommunismus unversöhnlich, demnach im offenen Gegensatz zum Faschismus, stand und steht. Nicht Sozialisten oder Kommunisten haben in den Gefängnissen, in den Konzentrationslagern, Juden und Andersdenkende gefoltert und ermordet oder ins Exil genötigt, einen Weltkrieg angezettelt und brutalst ausgeführt, sondern die damaligen Faschisten! Wir sollten da keineswegs Opfer und Täter entpolitisierend und ahistorisch in den selben Totalitarismus – Topf werfen, da eine nicht vorhandene Gleichwertigkeit konstruieren. Insbesondere Kommunisten und Sozialisten wurden von den damaligen Faschisten verfolgt, ins Exil gezwungen, gefoltert oder ermordet. Insbesondere Kommunisten und Sozialisten leisteten aktiven und passiven Widerstand gegenüber der Ideologie der NSDAP, des Hitlerismus. Das sollten wir niemals vergessen! Eine deutlich bessere Alternative zu dem entpolitisierenden und politisch fehl orientierendem Begriff „Nationalsozialist“ ist der Begriff „Nationalfaschist“. Statt „Nationalsozialismus“ kann man auch wahlweise „der deutsche, historische Faschismus vor 1945“ oder „der Hitlerismus“ sagen/schreiben. Der Faschismus nach 1945 ist in der Ideologie weitestgehend identisch mit der Ideologie des historischen Faschismus. Damals wie heute kennzeichnen folgende Kriterien den Faschismus, respektive einen Faschisten: Ich habe an dieser Stelle nicht den Anspruch, alle Elemente zu benennen, die den Faschismus oder einen Faschisten kennzeichnet. Ob dieses oder jenes Element für den Faschismus "entscheident" ist, ist eine Definitionssache. Es gibt sehr weitreichende Faschismustheorien (die von Dimitroff gehört dazu, ebenso die Monopolkapitalismus-Theorie von Abendroth, Grossweiler, Kühnl und Opitz), und "engere", kürzer greifende, aufs Individuum abzielende (ich habe mich damit innerhalb meiner Staatsexamensarbeit im Studienfach Sozialwissenschaften wissenschaftlich auseinandergesetzt). Der Faschismus besteht aus diversen Elementen. Nicht das jeweilige "Einzelelement" ist das eigentliche Problem, sondern die Summe (!) aller folgenden Einzelelementen in Form einer konstruierten, geschlossen auftretenden "Einheit". Zum Faschismus gehört auch (!) definitiv und objektiv = nachweisbar: Konservatismus, reaktionäres Gedankengut, Antikommunismus/Antisozialismus, eine ausgeprägte Gewerkschaftsfeindlichkeit, Rassismus, das "Härteprinzip" (Humanismus und Wertepluralismus wird als "Gutmenschentum", als "Weicheierei", abqualifiziert), ebenso die Ablehnung des Pluralismus. An Stelle des Wertepluralismus tritt eine platte, unwissenschaftliche, eher emotional angelegte Schwarz-Weiß-Dichotomie, das Leugnen eines Klassenantagonismus, zu Deutsch: eines Klassengegensatzes (demnach wird auch das Vorhandensein eines Klassenkampfes geleugnet, respektive abgelehnt); das Propagieren einer einheitlichen "Volksgemeinschaft", die suggeriert, dass wir nicht nur im "selben Boot" rudern, sondern "in Wirklichkeit" die selben Ziele verfolgen (nebenbei: Es gibt keinen Konsens in einer Gesellschaft, zu keinem (!) Thema. Selbst Kriege werden von vielen gerechtfertigt, auch das Hinnehmen von Massenentlassungen, von Hartz IV usw.); eine ausgeprägte Autoritätshörigkeit, das Prinzip von autoritärer Führung und Kadavergehorsam, die Anbetung reaktionärer Machtpolitik und aufoktruierten, autoritären Hierarchien; eine feindliche Einstellung gegenüber emanzipatorischen Meinungen, gegenüber progressiven, "linkspolitisch" eingestellten Intellektuellen; die Pflicht zur Einordnung in ein "umgreifendes Ganzes"; Ablehnung der bestehenden politischen Institutionen, Ablehnung der politischen Spielregeln der staatlichen Demokratie, Verfechtung eines extremen Antisemitismus, Nationalismus, Chauvinismus, Revanchismus und Militarismus; Diskriminierung von Fremdgruppen und Minoritäten, zum Beispiel von Homosexuellen, "Ausländern"; Förderung eines völkischen und biologistischen, insbesondere rassistischen Gedankenguts (Stichwort hier: Sozialdarwinismus). Der Faschismus an der Macht ist die brutalste, die terroristischste, die unterdrückerischste und die arbeiterfeindlichste Form des Kapitalismus (frei nach Dimitroff definiert)! Unter recht genau gesellschaftlichen Bedingungen ist der Faschismus eine Option innerhalb der Gesellschaftsformation Kapitalismus, wenn nicht nur die Arbeiterschaft, die Werktätigen, das bestehende Gesellschaftssystem „bürgerliche Demokratie“ ablehnen oder gar bekämpfen, sonden auch die Mittelschicht, das Bürgertum. Auch der Extremismusbegriff ist nicht nur völlig unwissenschaftlich, da beliebig interpretierbar, sondern entpolitisierend, in dem dieser Begriff suggeriert, es gäbe eine negative Gleichwertigkeit zwischen sogenannten Rechts- und Linksextremisten. Der Begriff suggeriet gleichzeitig, es gäbe eine friedfertige ,“neutrale“, eher „unpolitische“ gesellschaftliche Mitte. Dem ist aber nicht so. Rund 15% der deutschen Erwachsenenbevölkerung hat ein geschlossen rechtsradikales Weltbild, rund 40% der deutschen Erwachsenenbevölkerung sind Antiziganisten, haben also massive Vorurteile gegenüber Sinti und Roma. Dieses „Klientel“ findet man also nicht nur an den äußersten Rändern der Gesellschaft, sondern mitten in ihr. Siehe auch bei Wikipedia unter dem Begriff „Extremismus der Mitte“. Sehr gut hat der Historiker Prof. Wolfgang Wippermann, Universität Berlin, den Extremismusbegriff kritisch in einem kurzen Interview wissenschaftlich erläutert. Sehr sehens- und hörenswert: https://www.youtube.com/watch?v=hzGn_TIR4ZI

Thomas Mann 1945 über die berüchtigte “Extremismusklausel” von heute:

Den russischen Kommunismus mit dem Nazifaschismus auf die gleiche moralische Stufe zu stellen, weil beide totalitär seien, ist bestenfalls Oberflächlichkeit, im schlimmeren Falle ist es – Faschismus. Wer auf dieser Gleichstellung beharrt, mag sich als Demokrat vorkommen, in Wahrheit und im Herzensgrund ist er damit bereits Faschist und wird mit Sicherheit den Faschismus nur unaufrichtig und zum Schein, mit vollem Haß aber allein den Kommunismus bekämpfen.“ Quelle: Thomas Mann, in: Essays, hg. von H.Kurzke, Frankfurt 1986, Bd. 2, S. 311

Siehe auch hier: http://wolfgang-huste-ahrweiler.de/2012/01/05/kritik-an-der-entpolitisierenden-extremismusformel-von-wolfgang-huste/ http://wolfgang-huste-ahrweiler.de/2010/07/15/wem-dient-der-extremismusbegriff-fur-was/ http://wolfgang-huste-ahrweiler.de/2012/03/07/reflexion-uber-den-begriff-extremismus-der-mitte-von-wolfgang-huste/ Mein Formulierungsvorschlag für einen Satz, der an die Opfer des damaligen und heutigen Faschismus in einer wissenschaftlich korrekten und angemessenen Form erinnert: In Erinnerung an alle Opfer des Hitlerismus und von heutigen Faschisten!“. Oder: „In Erinnerung an alle Opfer des historischen Faschismus und der heutigen Faschisten!“. Oder: "In Erinnerung an alle Opfer der damaligen und heutigen Faschisten!".    Mit freundlichen Grüßen, Wolfgang Huste Stadtrat Bad Neuenahr - Ahrweiler Walporzheimer Str. 5 53474 Bad Neuenahr – Ahrweiler Mobile: 0171 300 1864 email: whuste@aol.com

Ist Europa in der Lage, einen längeren Krieg auszuhalten? Von Wolfgang Huste

Dienstag, 17. Juli 2018 von Huste
Europa ist nicht in der Lage, einen längeren Krieg auszuhalten, geschweige denn zu Gewinnen. Das sagte schon Prof. Weizsäcker, der Physiker, in seinem Buch: "Kriegsfolgen und Kriegsverhütung". Von Deutschland erst gar nicht zu reden. Ein Krieg in Deutschland wäre ein leicht modifizierter, kollektiver Selbstmord innerhalb von wenigen Wochen, zumal ein solcher Krieg auch mit "taktischen Atomwaffen", wie sie zum Beispiel in Büchel lagern, geführt wird. Was würde dann übrig bleiben? Wieder einmal zu 90% (!) zerstörte Innenstädte in den Ballungszentren. Deshalb sollte man mittels diversen diplomatischen Möglichkeiten einen Krieg schon im Nacendistadium verhindern. Falls dann aber doch mal ein Okkupant unser Land besetzt (wer könnte das sein? Russland, das schon zweimal vom Westen mit einem Krieg überzogen wurde? Die USA, die mittlerweile Europa als Gegner ansehen? China? Die haben andere Interessen. Die Österreicher oder Niederländer? Nie und nimmer!). Alternativen zu einer solchen Besatzung durch eine fremde Macht: Sabotage auf allen Ebenen, Guerillataktiken, generell keine Zusammenarbeit mit den Okkupanten, Generalstreik usw. Es gibt da viel bessere Möglichkeiten/Alternativen als Kriege, wo man auf beiden Seiten nur noch Verlierer hat. Und was sollten wir hier überhaupt verteidigen? Wohnungen, Banken und Fabriken, die uns gar nicht gehören? Die kann man wieder aufbauen, tote Menschen, eine zerstörte Natur, nicht. Oder sollen wir die "Freiheit" und "Demokratie" verteidigen, also recht abstrakte Kategorien? Was ist das konkret, Demokratie und Freiheit "für alle"? Die Manager von VW, von Bankkonzernen, von Rüstungskonzernen, von Bayer Leverkusen und so weiter, auch die Funktionäre von Parteien, haben einen anderen Freiheits- und Demokratiebegriff als zum Beispiel Hartz IV - Bezieherinnen, als die Frau an der ALDI-Kasse. Ganz abgesehen davon, dass Kriege mittlerweile und zukünftig auch anders geführt werden: Mittels Eingriffe in den internationalen Handel, mittels Schutzzöllen und Cyber-Kriegen.

Sind revanchistische Straßennamen zeitgemäß? Von Wolfgang Huste

Donnerstag, 12. Juli 2018 von Huste
Wolfgang Huste, Mitglied im Stadtrat für DIE LINKE: "Auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler gibt es ein großes Wohnviertel, in dem einige Straßen immer noch in der unheilvollen Tradition der NS-Ideologie, des reaktionären Revanchismus und des Nationalismus stehen. Diese revanchistischen Straßennamen, die man teilweise auch noch in anderen Städten findet, sind in erster Linie ein "Kotau" vor den damaligen und auch heutigen Vertriebenen- und Heimatverbänden, oder vor anderen erzkonservativen, auch reaktionären Gruppen und Organisationen, die teilweise immer noch der Ideologie und der Lebensweise nachtrauern, die im damaligen "Großdeutschen Reich" an der Tagesordnung war. Man sollte sich zumindest über den ideologischen Hintergrund im Klaren sein, darüber nachdenken, auch öffentlich diskutieren, ob es in einer modernen Demokratie, in einer modernen Stadt, nicht weit eher Sinn macht, solche Straßen umzubenennen, zum Beispiel in Bertha-von-Suttner-Straße, Clara-Zetkin-Straße, Thomas-Mann-Straße, Kurt - Tucholsky-Straße, Erich-Kästner-Straße oder nach anderen demokratisch, fortschrittlich und weltoffen gesinnten Persönlichkeiten, die auch über unsere Stadtgrenze hinweg bekannt sind. Die von mir und anderen kritisierten Straßennamen lauten konkret: Tilsiter Straße, Stettiner Straße, Küstriner Straße, Danziger Straße, Breslauer Straße, Marienburger Straße. Die Orte, nach denen die Straßen benannt wurden, tragen jetzt polnische oder russische Namen. Nicht nur für polnische und russische Touristen, deren Vorfahren im damaligen Krieg von deutschen Soldaten überfallen, ermordet und/oder gequält wurden, sind die von mir zitierten revanchistischen Straßennamen eine ständige Provokation, eine ständige Erinnerung an sehr finstere Zeiten!Das Ministerium für Vertriebene wurde 1969 im Zuge der Ostpolitik von Willy Brandt unter heftigem Protest aufgelöst. Unter dem Minister Theodor Oberländer waren 75 % der Planstellen mit ehemaligen Mitgliedern der NSDAP besetzt. Im Schulatlas war Deutschland dreigeteilt: Bundesrepublik Deutschland, SBZ und Ostdeutschland (unter polnischer Verwaltung). Die Politik suggerierte, dass es wieder zu einem Deutschland in den Grenzen von 1937 kommen würde. In diesem politischen Klima kam es zur Benennung der strittigen Straßennamen Tilsiter, Stettiner, Breslauer usw..  Ich finde es sehr befremdlich, wenn wir immer noch an diesen Straßennamen krampfhaft festhalten, die objektiv in einer NS-Ideologie stehen, im Sinne des damaligen "Großdeutschen Reiches". Es gibt weit bessere, zeitgemäßere Alternativen zu diesen revanchistischen Straßennamen; Namen, die eine weltoffenere, tolerante und demokratische Gesinnung vermitteln. So könnte man auch im Zuge der Erinnerungskultur die Straßen nach den Opfern des Naziregimes benennen. Die Stadt steht hier in der Mitverantwortung und sollte sich dem stellen. Ein Kompromiss wäre es, wenn man unterhalb der jetzigen Straßennamen mit einer kleinen Zusatztafel erklärt, wie die Straßen heute in den entsprechenden Ländern heißen."    

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