Wolfgang Huste Polit- Blog

Revolte erfaßt Ägypten: Größte Demonstration seit Jahren

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Kairo. Folgt Ägypten Tunesien? Zumindest demonstrierten am Dienstag im ganzen Land Tausende Menschen gegen die Regierung von Hosni Mubarak, des autokratisch herrschenden Präsidenten. Sie trotzten einem riesigen Aufgebot an »Sicherheitskräften« in einer Stärke von bis zu 30000 Polizisten, das bereits in der Nacht zum Dienstag in den Straßen Kairos aufgezogen war. Allein in der Hauptstadt Kairo beteiligten sich etwa 15000 Menschen – so die zurückhaltenden Schätzungen offizieller Stellen. Demonstranten hielten ihre Losungen wie »Mubarak tritt ab« (Foto aus Kairo) oder »Tunesien ist die Lösung« hoch. Im Laufe des Tages setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Menschen auseinanderzutreiben. Als die Massen eine Absperrung durchbrechen wollten, prügelte die Polizei mit Schlagstöcken auf die Menschen ein.

Es war die größte Demonstration in Ägypten seit Jahren, von der es anfänglich geheißen hatte, die Polizei wolle sich zurückhalten und es Tausenden Demonstranten erlauben, eine Absperrung zu durchbrechen. Auch in den Städten Alexandria, Man­sura und Ismailija sowie in Assuan, Assiut und Al-Mahdia gab es Demonstrationen. Zu den Forderungen gehörten der Rücktritt von Innenminister Habib Al-Adli, dessen Polizei und Sicherheitsdiensten schwerste Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, die Aufhebung des seit Jahrzehnten geltenden Ausnahmezustands und eine Erhöhung des Mindestlohns. Mehrere Gruppen hatten zu einem »Tag der Revolte gegen Folter, Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit« aufgerufen. (AFP/dapd/jW)

Quelle: www.jungewelt.de vom 26.01.11

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 26. Januar 2011 um 15:42 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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2 Comments

  1. Ägypter begehren auf. Von Karin Leukefeld

    Zehntausende Menschen haben in Ägypten am Mittwoch den zweiten Tag in Folge gegen Präsident Hosni Mubarak demonstriert und seinen Rücktritt gefordert. Ermutigt von dem Beispiel, das Tunesien mit dem Sturz des Regimes von Zine Al Abidine Ben Ali geliefert hatte, zogen auch gestern wieder in vielen Städten Ägyptens Demonstranten durch die Straßen und forderten Freiheit, Arbeit, bessere Lebensbedingungen und ein Ende des Ausnahmezustandes. »Tunesien ist die Lösung« hieß es auf Plakaten, »Nieder mit Mubarak« und »Zine El Abidine Ben Ali, wer ist der Nächste« skandierten die Demonstranten.

    Begonnen hatten erste Proteste mit der Selbstverbrennung von drei Männern vor einer Woche, die mit ihrer Aktion auf ihre schlechten Lebensbedingungen aufmerksam machen wollten. Damals hatten Regierungskreise noch ausgeschlossen, daß die Aktionen wie in Tunesien Massenproteste auslösen könnten. Gleichzeitig hatte das Regime den Ägyptern versichert, daß Grundnahrungsmittel auch weiterhin subventioniert werden würden.

    Am Dienstag kam es zu ersten Massenprotesten anläßlich des nationalen Polizei-Feiertages. Die Polizei ist berüchtigt für rücksichtsloses Vorgehen gegen Oppositionelle. Nach Zusammenstößen mit Demonstranten untersagte das Innenministerium am Mittwoch weitere Kundgebungen. »Kein Akt der Provokation, Protestkundgebung, Aufmarsch oder Demonstration wird erlaubt«, teilte das Ministerium mit. In der Nacht hatte die Polizei eine Kundgebung in Kairo gewaltsam aufgelöst. Die Sicherheitskräfte waren massiv mit Tränengas gegen Tausende Demonstranten vorgegangen, die seit dem Nachmittag im Stadtzentrum gegen Mubarak demonstriert hatten. Mindestens vier Personen wurden getötet, drei Demonstranten in Suez, ein Polizist in Kairo. Nach Polizeiangaben waren etwa 200 Menschen festgenommen worden, davon 50 in Kairo und 50 in der Hafenstadt Suez. Die Internetnetzwerke Facebook und Twitter wurden blockiert, um weitere Mobilisierungen zu verhindern.

    Hintergrund des Unmuts der Ägypter ist die fast 30jährige Amtszeit von Hosni Mubarak, der das Land wie ein Pharao als Alleinherrscher regiert. Die jahrelang aufgestaute Wut über die verheerende soziale Lage, den wirtschaftlichen Stillstand, die Korruption und die politische Unterdrückung macht sich Luft. Fast jeder zweite der 80 Millionen Einwohner lebt unter der Armutsgrenze von zwei Dollar pro Tag. Menschen- und Bürgerrechte werden unter dem Ausnahmezustand mit Füßen getreten, willkürliche Polizeigewalt ist an der Tagesordnung.

    Ob der heute 82jährige Mubarak angesichts seiner wütenden Bevölkerung in wenigen Monaten tatsächlich für eine sechste Amtszeit als Präsident kandidieren wird, ist fraglich. Nach seinem Amtsantritt 1981 hatte er den Ausnahmezustand verhängt und diesen seitdem nicht mehr aufgehoben.

    Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich gestern »sehr besorgt« über die Entwicklung in dem nordafrikanischen Land. Frankreichs Außenministerin Michèle Alliot-Marie bedauerte die Todesfälle bei den Protesten. Die US-Regierung forderte die Regierung in Kairo auf, die Wünsche der Bevölkerung ernst zu nehmen und »politische, wirtschaftliche und soziale Reformen« einzuleiten. Gleichzeitig sprach US-Außenministerin Hillary Clinton der Führung in Kairo ihr Vertrauen aus. Die Regierung von Präsident Mubarak sei stabil und tue ihr Bestes, den Forderungen der Demonstranten entgegenzukommen, sagte Clinton auf einer Pressekonferenz in Washington.

    Quelle: http://www.jungewelt.de vom 27.01.11

    Comment: Wolfgang Huste – 27. Januar 2011 @ 10:57

  2. […] den Beitrag weiterlesen: Revolte erfaßt Ägypten: Größte Demonstration seit Jahren … Tags:tausende, kairo-folgt, hosni-mubarak, hosni, Dienstag, tunesien, tausende-menschen, gegen-die, […]

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