Wolfgang Huste Polit- Blog

Hochmoselübergang – Phantasie der Verzweiflung. Landesgartenschau an der Autobahn?

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An der Mosel droht es ernst zu werden. Baustraßen werden planiert, der Bau der Hochmoselbrücke (1,7 km lang, 160 Meter hoch) über einem der malerischsten Moseltäler könnte noch im August beginnen. Einige Lokalpolitiker und Bürger der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues glauben, die zu erwartenden Beeinträchtigungen für den Tourismus, neben dem Weinbau der bedeutendste Wirtschaftszweig in der Region, könne man ausgleichen. Am 19. Juli kam es zu einer skurrilen Abschlussveranstaltung einer "Case Study" der FH Worms mit dem Titel "Hochmoselübergang und Zukunftswerkstatt". Das Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde hatte das Thema Hochmoselübergang über Jahre hinweg totgeschwiegen. Diese Veranstaltung wurde darin jedeoch bereits im Vorfeld bejubelt. Die Fragestellung, der sich die 3 Studentinnen der Fachhochschule Worms unter Leitung von Prof. Scherhag gewidmet hatten, war eine im Prinzip unlösbare Aufgabe: Wie lassen sich die Beeinträchtigungen durch den Bau der Schnellstraße B50 neu (im Autobahnmaßstab) und der Moselhochbrücke kompensieren? Die Brücke, vordergründig die Hauptquelle der Beeinträchtigungen, solle als Attraktion beworben werden, so der kühne Vorschlag. Farbliche Gestaltung, Illumination, angebauter Lift oder eine Treppe nach oben, eine Radfahrerbrücke sollte angebaut und eine aerodynamische Schutzwand auf der Brücke installiert werden. Für Aktivitäten wurden eine Traktorsafari vorgeschlagen, ein Wasserpark, ein Erlebnisweinberg, eine Mountain-Bike-Strecke oder eine Sommer-Rodelbahn. Zur Einweihung sollte ein Brückenfest vorbereitet, oder besser noch die Landesgartenschau an die neue Autobahn geholt werden. Eine Raststätte am westlichen Brückenkopf oder Imbissbude soll den Wert der Straße heben. Auch für die Bauzeit gab es Vorschläge: Verschönerung der Baustelle mit bedruckten Planen. Ein Highlight sei der Baustellentourismus, dessen Organisation bereits begonnen habe. Diejenigen, die immer schon für den Mammutbau waren, gerieten ins Schwärmen. Die anderen verließen nach und nach das traurige Schauspiel. Die Frage der Realisierung der Ideen erledigte sich schnell: Jede bauliche Veränderung an der Brücke sei unzulässig, so musste der anwesende Bürgermeister von Bernkastel-Kues, Herr Port, einräumen. Was aus den anderen Vorschlägen werden könnte, offenbart ein Blick zur bauähnlichen Winninger Brücke (Fertigstellung 1972): nichts. Es fehlten damals die finanziellen Spielräume, so die knappe Bemerkung einer der Studentinnen. Und sie fehlen heute mehr denn je. Wie ist die Situation heute? Die Moselschleife zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, das sogenannte Herz der Mosel, genießt Weltruf. Millionen Gäste kommen jährlich aus dem In- und Ausland, um die Landschaft und den Wein zu genießen. Und es sind die begehrtesten Riesling Weine unseres Planeten, die genau hier wachsen. Nicht ohne Grund hat sich die nationale und internationale Presse ungewohnt kritisch mit dem Hochmoselübergang auseinandergesetzt. Das veraltete, überdimensionierte und mit nicht mehr gültigen Begründungen geplante Schnellstraßenprojekt würde eine Schneise der Verwüstung in die Region tragen. Dass dies durch nichts ausgleichbar ist, konnte man bereits im Erörterungsbericht zum Planfeststellungsverfahren aus dem Jahr 1999 nachlesen. Georg Laska von der Bürgerinitiative Pro-Mosel bringt es auf den Punkt: "Die Beste Förderung der Moselregion ist zugleich die Billigste: Ein Stopp dieses Wahnsinnsbaus, der mit viel zu hohen regionalen und finanziellen Risiken behaftet ist!" ---------- (1) Die Ankündigung der Veranstaltung im Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues: "An der FH Worms findet im Masterstudiengang "International Tourism Management" zur Zeit eine "Case-Study" mit dem Titel "Hochmoselübergang und Zukunftswerkstatt" statt. Ziel des mit der Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau und der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues durchgeführten Projektes ist es, die Chancen und Risiken der neuen Verkehrsanbindung für den Tourismus in der Region herauszuarbeiten und Produkte sowie Kooperationsansätze daraus abzuleiten. Die Ist-Analyse der touristischen Ausgangssituation der betreffenden Gemeinden wurde von den das Projekt bearbeitenden Studentinnen bereits im Mai vorgestellt, danach haben sich Arbeitsgruppen intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die Ergebnisse werden präsentiert am Dienstag, 19.07.2011 um 18.00 Uhr in der Güterhalle in Kues." (2) Die "Case Study" der FH Worms (Abschlusspräsentation, Download bis 25. Juli 2011 möglich) (3) Webseite der Bürgerinitiative Pro-Mosel (4) Materialien Quelle: Bürgerinitiative "Pro Mosel" vom 22.07.11
Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 28. Juli 2011 um 18:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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