Wolfgang Huste Polit- Blog

Plädoyer zugunsten eines anderen Gesundheitssystems. Von Wolfgang Huste

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Das Gesundheitssystem in der BRD muss radikal (!) und schnellstens (!) zugunsten der Majorität geändert werden. Eine Zwei- bzw. Dreiklassenmedizin darf es nicht mehr geben. Das bestehende Gesundheitssystem ist insgesamt betrachtet asozial (= antigesellschaftlich), bevorzugt primär die "BesserverdienerInnen". Aus meiner Sicht ist eine Kombination aus dem Schweizer Modell (Bürgerversicherung, in der auch UnternehmerInnen, BeamtInnen, Angestellte, PolitikerInnen und FreiberuflerInnen einzahlen) und dem niederländischen Modell (dort erhalten die Ärzte staatlicherseits ein Grundgehalt und, wenn sie gewisse Auflagen erfüllen,  eine entsprechende Zuzahlung) ein guter Lösungsansatz. Ein solches "Mischmodell" würde ich noch wie folgt spezifizieren und ergänzen: Ärzte, die durch ein neutrales (!) Bewertungs- und Kontrollsystem nachweisbar (!) gute bis sehr gute Patientenbeurteilungen erhalten und ebenfalls nachweisbar (!) die Patienten schnell gesund machen, möglichst mit einem geringen Arzneimitteleinsatz, erhalten aus der Bürgerversicherung (= Solidarkasse) eine entsprechend definierte Sonderzahlung. Demnach wird das jetzige Gesundheitssystem komplett umgekehrt. Als Grundprinzip gilt dann: Je schneller ein Patient gesundet, desto mehr Geld bekommt der entsprechende Arzt aus der Solidarkasse ausgezahlt. Selbstverständlich sollte man bei chronisch Kranken, bei Langzeitpatienten, anders verfahren.  Aus meiner Sicht dürfte es keine Privatärzte geben, und zwar aus ökonomischen und sozialen Gründen. Begründung am Beispiel des Zahnarztes: Der Patient ist für den Arzt primär  "Kunde", mit dem Geld verdient wird (gilt selbstverständlich auch für Allgemeinmediziner, für Apotheker). Nicht seine Gesundheit, nicht der Mensch "als solcher", steht im Kapitalismus primär im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, mit ihm "Geschäfte" abwickeln zu können. So kann es sein, dass dieser oder jener Zahnarzt bei einer Überkronung eines Zahnes ein bisschen Karies bewusst "übersieht". Nach etwa vier Jahren bildet sich dann Sekundärkaries unter der Krone. Die wahre, eigentliche Ursache für die Entstehung der erneut auftetenden Karies ist  nach diesem relativ langen Zeitraum weder für den Patienten, noch für die jeweilige Kasse nicht mehr nachweisbar und auch nicht mehr nachvollziehbar. Darüber hinaus ist in diesem Zeitraum die Garantieleistung für die Überkronung abgelaufen- und der Zahnarzt kann erneut beim Patienten bzw. der Kasse "abkassieren". Oder er fertigt eine Röntgenaufnahme bei einem überkronten Zahn an, um festzustellen, ob Karies vorliegt, oder eine Wurzelentzündung. Das wiederum grenzt an Betrug, denn: Durch Metall kann man keine medizinisch auswertbare Röntgenaufnahme herstellen, die darüber Auskunft geben kann, ob Karies oder ein anderer Zahnschaden vorliegt. Das ist allein schon aus physikalischen Gründen eine Unmöglichkeit. Oder der Zahn wird vor einer Überkronung sehr weit abgeschliffen, weiter, als es medizinisch nötig ist, inklusive einer bewussten (!) Wurzelzerstörung. Da der tote Zahn nicht mehr entsprechend innerviert wird, dauert es in der Regel nur wenige Jahre, bis er von seiner Substanz her spröde wird und zumindest partiell bricht. Dann ist wiederum eine neue Behandlung, eine neue Krone, fällig. Oder der Patient geht davon aus, dass seine teure Krone in Deutschland hergestellt wurde, weil es der Zahnarzt ihm so mitteilte. In Wirklichkeit stammt diese aber aus China und weist eine schlechtere Qualität auf (dafür ist sie für den Zahnarzt billiger- und er macht da einen "Surplus"-Profit). Es gibt noch einige Dutzend weitere "Tricks", wie Geld gierige Zahnärzte für sich "künstliche" Einnahmequellen schaffen. Analog hierzu gibt es auch entsprechende Beispiele bei Allgemeinmedizinern. Deshalb plädiere ich dafür, dass Ärzte vom Staat, von der Allgemeinheit, bezahlt werden- also ein festes "Grundgehalt" bekommen. Können die Ärzte mittels eines ausgeklügelten, genau definierten Punktesystems nachweisen, dass sie die Patienten bestens versorgen, möglichst schnell gesund machen (bei chronisch Kranken, bei Langzeitpatienten, wird man anders verfahren müssen), erhalten sie eine entsprechende Zuzahlung. Die entsprechende Kontrolle der Ärzte erfolgt durch demokratisch gewählte, legitimierte und neutrale Gremien. Kein Arzt hat dann mehr die Motivation, entsprechende Betrügereien - auf Kosten der Bürgerversicherung, also auf Kosten der Allgemeinheit und der Patienten - durchzuführen. Das Gesundheitssystem könnte auch dezentral, genauer: kommunal, organisiert werden (wie es im alten China üblich war). Innerhalb dieses Systems erhalten die Kommunen eine höhere staatliche Umlage zugunsten der allgemeinen Gesundheitsversorgung als jetzt (also einen größeren Steueranteil von Seiten der Länder oder der Bundesebene), um das Grundgehalt der Ärzte einer Kommune zahlen zu können. Ärzte, die sich im ländlichen Raum niederlassen, erhalten nach dem von mir skizzierten Punktesystem eine bessere Bezahlung, quasi als Anreiz. Darüber hinaus  müssen Ärzte in dem von mir favorisierten System nachweisen, dass sie in einem bestimmten zeitlichen Turnus staatlich organisierte Fortbildungsveranstaltungen besuchen. Ein weiterer positiver Effekt innerhalb des von mir favorisierten Modells: Eine Lobby der Pharmaindustrie wäre damit weitestgehend obsolet und der allgemeine Arzneimittelverbrauch würde insgesamt deutlich geringer ausfallen. Auch hätten die Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten, da das Prinzip "Zeit ist Geld!" keinen Sinn mehr macht.
Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 28. Februar 2012 um 13:39 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen.

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2 Comments »

  1. http://www.sopos.org/aufsaetze/3c7d45869f5d5/1.phtml

    Comment: Huste – 28. Februar 2012 @ 14:17

  2. http://www.jungewelt.de/2014/08-08/052.php
    Gewisse Medikamente gibt es nur für die sehr reichen Menschen. Auch das gehört zum alltäglichen Kapitalismus!

    Comment: Wolfgang Huste – 08. August 2014 @ 19:11

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