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Opel schrumpft sich tot. Zeitung nennt Details zu neuen Kürzungsforderungen der Konzernspitze. Lohnverzicht, Auslagerungen, mehr Leiharbeit und Flexibilisierung auf dem Wunschzettel. Von Daniel Behruzi

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Der Autobauer General Motors (GM) setzt die Kürzungsstrategie bei seiner Europatochter Opel/Vauxhall fort. Am Donnerstag wurden erstmals Details zu den Forderungen bekannt, mit denen das Management die einzelnen Standort-Betriebsräte konfrontiert. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete, sind neben erneutem Lohnverzicht unter anderem die Reduzierung der Fertigungstiefe durch Auslagerungen und Fremdvergaben sowie die Ausweitung der Leiharbeit geplant. Bis Ende 2014 sind Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bei Opel ausgeschlossen. Laut FAZ könnte das von der Konzernführung jedoch in Frage gestellt werden. »An der Spitze von GM gibt es eine Fraktion, die die Verträge einhalten will, die andere jedoch steuert auf eine harte Konfrontation mit der IG Metall vor 2014 zu«, schreibt das Blatt in seiner Donnerstagausgabe. GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky stehe unter Druck, in Europa schnell eine Wende herbeizuführen, um die eigenen Karrierepläne nicht zu gefährden. Dafür bezahlen sollen wieder einmal die Beschäftigten. Dem FAZ-Bericht zufolge zieht Opel-Produktionschef Peter Thom derzeit von Werk zu Werk und präsentiert einen langen Forderungskatalog. Demnach sollen die Arbeiter und Angestellten auf Tariferhöhungen und Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes verzichten. Das wäre die Neuauflage einer Ende Januar ausgelaufenen Vereinbarung, die eine Halbierung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes sowie die Verschiebung der eigentlich im April 2011 fälligen Tariferhöhung von 2,7 Prozent beinhaltete. In dem 2010 geschlossenen »Master Agreement« ist festgeschrieben, daß die Beschäftigten bis 2014 hierzulande auf 176,8 Millionen Euro pro Jahr verzichten, in Europa auf insgesamt 265 Millionen. Allerdings hat die IG Metall – die einer Kürzung von Tarifleistungen zustimmen muß – weiteren Einschnitte bislang kategorisch abgelehnt. Die Forderungen der GM-Manager gehen aber deutlich über eine Fortsetzung des Lohnverzichts hinaus. Laut FAZ sollen die Arbeitszeiten weiter flexibilisiert werden – mit kurzfristiger Verlängerung oder Verkürzung, je nach betrieblichem Bedarf. Eine weitere Forderung betrifft die Leiharbeit. Diese soll auf bis zu 25 Prozent einer Belegschaft ausgeweitet werden können, bei Auftragsspitzen gar auf 30 Prozent. Auch hier droht ein scharfer Konflikt mit der IG Metall, die sich derzeit auf verschiedenen Ebenen für eine Begrenzung der Leiharbeit einsetzt. Desweiteren hat die Unternehmensleitung vor, Wochenendzuschläge zu streichen und einen abgesenkten Tarifvertrag für die Dienstleistungsbereiche abzuschließen. Eine entsprechende Vereinbarung gibt es beispielsweise bei Daimler, wo die Reinigungskräfte, Kantinenmitarbeiter und andere sogenannte Dienstleister 40 statt 35 Wochenstunden arbeiten – bei gleicher Bezahlung. In anderer Hinsicht will sich die GM-Spitze den Konkurrenten Ford zum Vorbild nehmen: So soll künftig ein Großteil der Komponentenfertigung an externe Anbieter vergeben werden. Die Betriebsräte hatten zuletzt immer wieder das Gegenteil gefordert, nämlich vermehrtes Insourcing zuvor fremdvergebener Produktion. »Schlank ist nicht immer kostengünstiger«, hatte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug diese Woche im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland argumentiert. Da für die von externen Firmen hergestellten Komponenten Aufpreise fällig würden, könne »Outsourcing sogar zu höheren Materialkosten führen« und verschärfe zudem das Problem der Überkapazitäten verschärfen. Berichten zufolge sind die Opel-Standorte aktuell nur zu drei Vierteln ausgelastet. Insbesondere die Werke in Bochum und Ellesmere Port (England) gelten als gefährdet. Die Situation hat sich zuletzt noch weiter verschlechtert. Nach Angaben des europäischen Branchenverbandes ACEA brach der Absatz in den ersten beiden Monaten 2012 verglichen mit dem Vorjahr um fast 20 Prozent ein, während Westeuropas Automarkt insgesamt lediglich um 7,8 Prozent schrumpfte. Der Marktanteil von Opel/Vauxhall verringerte sich von 6,9 auf nur noch sechs Prozent. Eine unmittelbare Folge ist, daß im thüringischen Eisenach, wo das Corsa-Modell vom Band läuft, die Arbeitszeit auf 30 bzw. 33 Stunden pro Woche reduziert wurde. In Rüsselsheim läuft die Produktion zur Zeit nur an vier Wochentagen. Das hessische Stammwerk soll laut GM-Plan zudem einen Teil der Astra-Fertigung an den polnischen Standort Gliwice verlieren. Schäfer-Klug plädierte in seinem ersten Interview als Gesamtbetriebsratschef für ein Ende des Abbaus. »Die Frage ist, ob eine Wachstumsstrategie oder ein Schrumpfkurs der richtige Weg ist«, sagte er dem Wall Street Journal. Die Vergangenheit habe gezeigt, daß man Opel nicht »gesundschrumpfen« könne. In der Tat hat kein »Sanierungsprogramm« die Situation des Unternehmens nachhaltig verbessert. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigten in Europa von 63000 auf 40000 reduziert. Wenn es so weitergeht, hat sich Opel irgendwann totgeschrumpft. Quele: www.jungewelt.de vom 23.03.12
Dieser Beitrag wurde am Freitag, 23. März 2012 um 20:05 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Opel-Betriebsräte stehen zusammen
    Frankfurt/Main. Die Betriebsräte des Autobauers Opel aus mehreren europäischen Ländern wollen sich nicht spalten lassen: »Wir werden mit Ihnen keine Verhandlungen auf lokaler Ebene führen«, zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Montagausgabe) aus einem Brief der Mitglieder des Opel-Europa-Betriebsrats an den Konzern-Vorstandsvorsitzenden Karl-Friedrich Stracke. Die Betriebsräte vertreten die 40000 Beschäftigten in zwölf Opel- und General-Motors-Werken in Europa.

    Vorher hatte Produktionschef Peter Thom in Einzeltreffen flexiblere Arbeitszeiten sowie den Verzicht auf Wochenendzuschläge und Tariferhöhungen verlangt. Werke, deren Belegschaften sich den Forderungen nicht beugen, würden bei der Zuteilung neuer Automodelle nicht berücksichtigt werden. Opel bestätigte unterdessen eine Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. (dapd/jW)

    Quelle: http://www.jungewelt.de vom 27.03.12

    Comment: Anonymous – 27. März 2012 @ 00:27

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