Wolfgang Huste Polit- Blog

Antifaschistische Gedenkkundgebung in Bad Breisig. Niemand ist Vergessen! Zum Gedenken an Dieter Klaus Klein

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In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1992 wurde in Bad Breisig der Obdachlose Dieter Klaus Klein von zwei rechten Skinheads ermordet. Auf einer Brunnenmauer schlafend, wurde er von den „Sieg Heil“ Rufen der beiden geweckt und hatte sich diese lautstark verbeten. Eine couragierte Tat, die er mit seinem Leben bezahlen musste. Wir rufen daher für den 31. Juli 2012 zu einer Gedenkkundgebung in Bad Breisig auf um an die zum 20. Mal sich jährende Tat zu erinnern.

Die Tat

Die beiden Täter, Patrick B. und Stefan H., beide zum Zeitpunkt 17 Jahre alt, waren am 31. Juli in dem Bad Breisiger Lokal „Oldie“ zum Feiern. Als sie Später randalierend durch Bad Breisig zogen, trafen sie auf den Obdachlosen Dieter Klaus Klein welcher auf einer Brunnenmauer schlief. Durch die „Sieg Heil“ Rufe der beiden Skinheads wurde er wach und hatte sich diese lautstark verbeten. Beide stürmten daraufhin auf ihn zu und verletzten ihn durch Schläge und Tritte bereits schwer, ließen jedoch wieder von ihrem Opfer ab und gingen zurück in die besagte Kneipe. Später zogen sie jedoch noch einmal zurück zu ihrem Opfer, Patrick B. das Stiefelkampfmesser von Stefan H. und stach 22-mal auf Dieter Klaus Klein ein, welcher an 2 Stichen ins Herz verstarb. Sie nahmen dem leblosen Dieter Klaus Klein Papiere, Bargeld und einen Gürtel weg. Das Geld wurde geteilt, der Rest verbrannt um Spuren zu verwischen.Beide gingen zurück in die Kneipe und zogen sich auch wenig später zurück. Die Leiche von Dieter Klaus Klein wurde erst um 07:50 von Spaziergängern gefunden.[1]

Das Mordopfer

Dieter Klaus Klein war ein 49 jähriger Frührentner aus Köln- Overrath, welcher an jenem Abend eher zufällig in Bad Breisig gelandet war. Er lebte als Obdachloser und war dadurch in der herrschenden Leistungsgesellschaft schnell Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung.
„Es gibt eine Ideologie der Ungleichwertigkeit, die tief in einer beschönigend als „Leistungsgesellschaft“ gepriesenen neoliberalen Konkurrenzgesellschaft verankert ist. Diese wird von VertreterInnen aus Politik, Medien und Gesellschaft stetig manifestiert, reproduziert und verstärkt, sei es aus ideologischen oder wahltaktischen Gründen für eigene Macht- und Herrschaftsansprüche. Denn Reichtum braucht Armut und soziale Ausgrenzung. Dass sie dabei als geistige Brandstifter fungieren und zur Legitimation für Morde an und Übergriffe auf sozial Benachteiligte insbesondere Obdachlose und MigrantInnen durch Nazis beitragen, wird zumindest billigend in Kauf genommen.“[ 2]
Dieter Klaus Klein wurde ermordet, weil er sich couragiert den beiden Neonazis entgegen stellte und in ihren Augen ein „unwertes Leben“ darstellte.

Der Prozess & Täter

Beide Täter wurden bereits am folgenden Tag von der Polizei verhaftet und ca. 1 Jahr später zu Jugendstrafen von je 8 Jahren und 3 Monaten für B. und 6 Jahren und 3 Monate für H. verurteilt. Trotz bekannter Verbindungen zu neonazistischen Kreisen beider Täter, ging das Gericht nicht von Rassismus als Nebenaspekt aus und nannte als Motiv nur eine „latente Gewaltbereitschaft“. [3] Dass Gericht wollte offenbar den politischen Hintergrund der Tat nicht anerkennen. Für AntifaschistInnen aus der Region, welche über die damaligen Verhältnisse im Kreis Ahrweiler bestens im Bilde waren, galt zumindest B. als Führungskopf regionaler Neonazis. Laut antifaschistischen Zeitzeugen wurden beide frühzeitig aus der Haft entlassen und zumindest B. agierte kurz nach seiner Haftentlassung noch in neonazistischen Kreisen. Er wurde zum Beispiel als Wahlkampfhelfer für die NPD in Sinzig beobachtet.

Heutige Situation

Heute, fast 20 Jahre nach diesem Mord erinnert in der Stadt Bad Breisig nichts an dieses Verbrechen. Keine Gedenktafel und keine Erinnerung. In der lokalen Bevölkerung ist der Mord faktisch in Vergessenheit geraten. Im Jahre 2010 versuchten regionale AntifaschistInnen in Bad Breisig das Bewusstsein der Menschen wach zu rütteln und schufen mit verschiedenen Aktionen Aufmerksamkeit. [4]
Die regionalen Neonazis rühmen sich noch immer mit diesem Mord, so trägt das Nummernschild eines Kleinbusses, welcher regelmäßig vom „Aktionsbüro Mittelrhein“ als Lautsprecherwagen für Demonstrationen oder als NPD-Wahlkampf Fahrzeug benutzt, wird das Kennzeichen AW-X-3107.
Trotz dieser offensichtlichen Verhöhnung zählt der Mord an Dieter Klaus Klein bis heute nicht offiziell in den Phänomen-Bereich PMK rechts.[5]
Wir als antifaschistischer Zusammenhang in der Region rufen daher zu einer Gedenkkundgebung am Ort des Geschehens auf. Wir fordern eine Gedenktafel am Tatort, die darauf hinweist, dass an dieser Stelle am 31. Juli 1992 ein Mensch durch rechte Gewalt ums Leben kam.
Niemand ist vergessen!

Ort: Kurpark Bad Breisig
Uhrzeit: 19 Uhr

[1] General Anzeiger vom 01.07.1993
[2] Antifa Bündnis „Niemand ist Vergessen!“ Berlin 2012
[3] Rheinzeitung Ausgabe Nr. 149 1993
[4] Indymedia August 2010
[5] Opferfonds CURA

Quelle: Antifa Ahrweiler vom 10.07.12, Homepage

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 12. Juli 2012 um 01:13 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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