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Brauner Nerd vom Amt. Auch in Bayern soll eine Schlüsselfigur der gewaltbereiten Neonaziszene mit Kontakt zu späteren Terroristen V-Mann des Verfassungsschutzes gewesen sein. Von Claudia Wangerin

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In der bayerischen Neonaziszene der 1990er Jahre muß Kai Dalek, mutmaßlicher V-Mann des Landesamtes für Verfassungsschutz, so etwas wie eine Spinne im Netz gewesen sein – nicht nur im digitalen. Vergangene Woche berichteten mehrere Medien über den Mann, der 1994 und 1995 mit dem späteren »Zwickauer Terrortrio« Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in Kontakt gestanden haben soll.

Hintergrundinformationen über den heute 48jährigen Dalek hat der Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V. (a.i.d.a.) zusammengetragen, der seit 1990 die Aktivitäten der bayerischen Neonaziszene verfolgt. Als die Archivstelle ihre Arbeit aufnahm, soll Dalek zum engeren Vorbereitungskreis der Gedenkmärsche für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß gehört haben. Laut a.i.d.a. war der Computerfachmann aus dem oberfränkischen Landkreis Kronach zudem Administrator des neonazistischen »Thule-Netzes«. Sein Pseudonym: »Undertaker« – auf deutsch so viel wie »Totengräber« oder »Leichenbestatter«.

Dalek betreute demnach die Mailbox »Kraftwerk-BBS-Weissenbrunn« und fütterte sie mit Meldungen der Kategorie »Anti-Antifa«, also mit Namen und Fotos politischer Gegner. 1993 wurde das Thule-Netz mit der Verbreitung von Bombenbauanleitungen in Verbindung gebracht. In der Broschüre »Der Einblick« verbreiteten Neonazis wenig später die Namen von rund 250 Personen aus Antifa, Gewerkschaften, SPD und Grünen, verbunden mit dem Aufruf, ihnen »unruhige Zeiten« zu bereiten. An der Herausgabe sei wiederum Dalek beteiligt gewesen – die Bundesanwaltschaft habe seinerzeit gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

1994, als erstmals der spätere Neonaziterrorist Uwe Mundlos in Bayern aktenkundig wird, gilt Dalek als einer der wichtigsten Kader der neonazistischen »Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front« (GdNF). Sein »Computer-Grafik-Design-Studio« im oberfränkischen Steinwiesen gilt als wichtiger logistischer Stützpunkt der GdNF. Nach Aussage des früheren Thüringer V-Mannes Tino Brandt leistete der Franke damals »Aufbauhilfe« im ostdeutschen Nachbarland, berichtete das BR-Politmagazin »Kontrovers«. Der V-Mann habe damals regelmäßig an Stammtischen mit Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe teilgenommen. Zuträger des Verfassungsschutzes soll er von 1994 bis Juni 1998 gewesen sein. Seine Tätigkeit als »Vertrauensperson« endete demnach wenige Monate nach dem Untertauchen der drei Jenaer Neonazis, als diese wegen Sprengstoffdelikten gesucht wurden.

Mitglieder des Untersuchungsausschusses im bayerischen Landtag dürfen die Angaben bisher weder bestätigen noch dementieren. Die Personalie wird aber voraussichtlich Hauptthema der zweiten Vernehmung von Gerhard Forster sein, der zur fraglichen Zeit Chef des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) war. Der Ausschuß hatte in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, Forster für den 13. November erneut zu laden. Als Grund wurden Widersprüche in seiner ersten Aussage genannt. Am gestrigen Dienstag erklärte der Abteilungsleiter des LfV, Edgar Hegler, nach Angaben der Grünen vor dem Ausschuß, es habe zwar Veranstaltungen gegeben, an denen sowohl V-Leute des LfV als auch Böhnhardt, Mundlos oder Zschäpe teilgenommen hätten. Die V-Leute seien aber nicht gezielt in deren Umfeld eingesetzt worden.

Fest steht, daß bei der Fahndung nach dem Trio, das inzwischen für zehn Morde verantwortlich gemacht wird, offensichtliche Kontakte nach Bayern und Franken nicht ausgeleuchtet wurden. In den Jahren vor ihrem Untertauchen waren die Thüringer mehrfach zu Aufmärschen und Veranstaltungen in den Süden gereist. 1994 muß Uwe Mundlos bereits persönliche Freundschaften in Bayern geschlossen haben, denn ein politischer Anlaß kurz vor der Party, zu der er im Sommer des Jahres nach Straubing reiste, ist bisher nicht bekannt. In Bierlaune wurden jedoch so laut Nazilieder gegrölt, daß die Polizei anrückte und unter anderem Mundlos festnahm. In Thüringen fanden die Ermittler nach seinem Untertauchen 1998 einen Rucksack, den Mundlos offenbar für den Fall seiner Flucht gepackt hatte – mehrere Nummern auf einer Telefonliste darin wiesen nach Bayern.

Quelle: www.jungewelt.de vom 24.10.12

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 24. Oktober 2012 um 15:25 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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