Wolfgang Huste Polit- Blog

»Jeder kann eigene Projekte starten«. Crowdfunding im Internet: Ein Portal betritt journalistisches Neuland. Gespräch mit Sebastian Esser.Interview: Peter Wolter.Sebastian Esser ist Gründer des Internetportals krautreporter.de

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Sie haben jetzt ein Internetportal aus der Taufe gehoben, mit dem Sie journalistisches Neuland betreten wollen: krautreporter.de. Wie soll das ablaufen?

Ganz einfach: Ein Journalist hat ein Thema, aber kein Geld, es zu recherchieren. Er stellt also sein Projekt im Internet vor und bittet um kleine oder auch größere Beträge als Unterstützung. Wenn die nötige Summe erreicht ist, kann die Arbeit beginnen. Dafür gibt es mittlerweile das englische Wort »Crowdfunding« – Finanzierung durch die Masse also. Die Mittel werden per Internet von denjenigen aufgebracht, die sich für das Thema interessieren.Gibt es Vorläufer dafür in anderen Ländern?

Als eines der ersten Portale dieser Art wurde in den USA schon vor vier Jahren kickstarter.com gegründet, diese Plattform hat insgesamt schon einen Umsatz von einer halben Milliarde Dollar gemacht. Ähnlich und ebenfalls erfolgreich ist emphas.is, eine Crowdfunding-Seite, mit deren Hilfe seit gut einem Jahr tolle Fotoreportagen finanziert werden.

Journalismus im Zeitalter von Zeitung, Radio und Fernsehen war auf die Darstellungsformen Text, Foto, Film, Ton begrenzt. Das Internet bietet aber viele neue Möglichkeiten, die wir uns im Moment vielleicht nicht einmal vorstellen können. Deswegen haben wir bei krautreporter.de einen sehr weiten Journalismus-Begriff, wir sind offen für neue Entwicklungen. Unsere Bedingung ist allerdings, daß die Arbeit journalistisch bleibt: unabhängig, transparent, den klassischen journalistischen Tugenden verpflichtet.Wer gilt für krautreporter.de als Journalist? Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, jeder kann sich so nennen.

Wir haben eine doppelte Sicherheitsschleuse: Die erste sind wir selbst, die Macher der Plattform. Wir entscheiden, welche Themen wir annehmen. Manches wollen wir einfach nicht –wir sind da sehr subjektiv. Die zweite Schleuse ist die Community: Der Reporter muß seine Unterstützer erst einmal davon überzeugen, daß er seriös und journalistisch arbeitet. Daß jemand einen Presseausweis hat, ist für uns kein Kriterium. Es gibt viele Journalisten oder Autoren, die großartige Ideen haben. Crowdfunding ermöglicht Geschichten, der zwar kein Massenthema sind, aber dennoch einen kleineren Kreis von Interessenten ansprechen.Würde krautreporter.de auch Rechercheaufträge anderer Redaktionen annehmen, die vielleicht gerade knapp an Personal sind?

Jeder Journalist und jede Redaktion kann gerne ein eigenes Projekt starten. Ob es klappt, hängt am Ende natürlich immer davon ab, wieviel Geld sie mit ihrer Kampagne aufbringen kann.In den vergangenen Monaten wurden in Deutschland viele Journalisten entlassen. Könnte der eine oder andere dieser Kolleginnen oder Kollegen mit Hilfe von krautreporter.de versuchen, zumindest im Beruf zu bleiben?

Es sind ja weit über 1000, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und sich jetzt fragen, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren. Unsere Plattform ist mit Sicherheit keine Lösung dafür, monatlich seine Miete zu bezahlen – aber wenn der eine oder andere für eine tolle Idee eine Anschubfinanzierung braucht, könnte sie eine Chance sein.Wie würde das Ergebnis publiziert?

Das bleibt dem Reporter überlassen. Wir verlangen lediglich, daß er uns über seine Arbeit auf dem Laufenden hält. Die Unterstützer müssen schließlich wissen, was mit ihrem Geld geschieht.Wir haben keineswegs den Ehrgeiz, selbst zum Medium zu werden und Tageszeitungen oder Sendern Konkurrenz zu machen.

Quelle: www.jungewelt.de vom 31.01.13
Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 31. Januar 2013 um 10:59 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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