Wolfgang Huste Polit- Blog

Verzichtsbereit. IG Metall unterwirft sich Opel. Von Daniel Behruzi

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Die IG Metall werde einen Ausstieg des Autobauers Opel aus der Tarifstruktur der Metallbranche »niemals akzeptieren«, hieß es noch am Montag nachmittag. »Es wäre ein Dammbruch für die gesamte Metallindustrie.« Doch bereits am Dienstag abend ließ Gewerkschaftschef Berthold Huber verlauten, das 2004 geschlossene Pforzheimer Abkommen biete »ausreichend Möglichkeiten, eine situationsgerechte und tarifkonforme Lösung für Opel zu vereinbaren«. Soll heißen: Das Niveau des Flächentarifvertrags kann ruhig unterschritten werden – aber nur mit Unterschrift der IG Metall.

Die gewerkschaftliche Tarifkommission formulierte denn auch gleich Bedingungen hierfür: Es brauche »konkrete und belastbare Garantien, die alle Standorte und eine möglichst große Zahl an Arbeitsplätzen über 2016 hinaus sichern und den Produktions- und Entwicklungsstandort Deutschland langfristig erhalten«. Die Sicherung einer »möglichst großen Zahl« an Jobs bedeutet freilich nicht den Erhalt aller Arbeitsverhältnisse. Der Personalabbau kann also weitergehen, nur »sozialverträglich« sollte er sein. Auf diese Weise sind in den deutschen Opel-Werken seit Anfang der 1990er Jahre weit mehr als die Hälfte der damals noch knapp 57000 Arbeitsplätze vernichtet worden. Insbesondere für Bochum und das Ruhrgebiet – wo sich die Belegschaft von gut 19000 auf rund 5000 (inklusive Partnerbetriebe) reduzierte – war das alles andere als »sozialverträglich«.

Wenn nicht noch etwas Bedeutendes passiert, ist es mit der Bochumer Fabrik in absehbarer Zeit ganz aus. Spätestens 2016, vielleicht sogar schon früher soll die Autoproduktion an dem traditionsreichen Standort eingestellt werden. Die IG Metall scheint das grundsätzlich bereits akzeptiert zu haben. Denn unter den von der Tarifkommission formulierten Bedingungen fehlt die Forderung nach einer Fortsetzung der Zafira-Fertigung über 2016 hinaus. Statt dessen ist davon die Rede, es müsse »eine vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen als unmittelbare Opel-Arbeitsplätze, die neben dem Teilelager aus qualifizierten Produktionsarbeitsplätzen in einer hochwertigen Komponentenproduktion bestehen«, erhalten bleiben. Damit würde Bochum zum Zulieferwerk degradiert und erneut radikal verkleinert.

Die geforderte »konkrete Wachstumsperspektive« für die Ruhrgebietsfabrik ist so nicht zu erreichen. Ein weiteres reines Komponentenwerk neben Kaiserslautern kann Opel angesichts sinkender Stückzahlen nicht gebrauchen. Es wäre nur eine formale und voraussichtlich sehr kurzfristige »Rettung« des Standorts. Und: Schon bald würden weitere Produktionsstätten zur Disposition gestellt, denn die extrem niedrige Auslastung der europäischen Opel-Fabriken – die laut IG Metall bei nur noch 50 Prozent liegt – wäre nicht beseitigt. Das geht nur durch weitere Werksschließungen. Oder durch eine drastische Verkürzung der Arbeitszeiten – am besten bei vollem Lohnausgleich, finanziert aus den Milliardengewinnen des Mutterkonzerns General Motors.

Quelle: www.jungewelt.de vom 31.01.13

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 31. Januar 2013 um 10:32 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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1 Kommentar

  1. Rückzieher bei Opel. IG Metall akzeptiert de facto das Auslaufen der Bochumer Autoproduktion. Von Daniel Behruzi

    Die IG Metall ist bereit, auf Grundlage des Pforzheimer Abkommens über eine Unterschreitung des Flächentarifniveaus bei Opel zu verhandeln. Eine solche Lösung könne es aber »nur mit schriftlich zugesicherten Standort- und Beschäftigungsgarantien geben«, erklärte IG-Metall-Chef Berthold Huber am Dienstag abend in Frankfurt am Main. Konkrete Forderungen für die am Mittwoch in Rüsselsheim fortgesetzten Gespräche mit dem Opel-Management benannte die gewerkschaftliche Tarifkommission in einer am Vorabend verbreiteten Resolution. Die Fortsetzung der Fahrzeugproduktion in Bochum wird darin allerdings nicht verlangt.

    »Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist so schlecht wie noch nie und hat existenzbedrohende Ausmaße angenommen. Angesichts historisch niedriger Marktanteile sind die Produktionsstandorte in Europa nur zu 50 Prozent ausgelastet«, heißt es in dem Papier. Die Strategie des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) ziele offensichtlich darauf ab, Industriearbeitsplätze in Niedriglohnländer zu verlagern. Kurzfristig sei davon das Bochumer Werk betroffen, das die Autoproduktion komplett einstellen soll. Mittelfristig sei aber keiner der vier deutschen Opel-Standorte gesichert. Neben »konkreten und belastbaren Garantien« für alle Werke und einer »Wachstumsstrategie« fordert die IG-Metall-Tarifkommission »belastbare Vorschläge zum Erhalt und zur Schaffung hochwertiger Industriearbeitsplätze in Bochum«. Dort müsse »eine vierstellige Zahl« Opel-Arbeitsplätze erhalten bleiben. Aktuell arbeiten inklusive der Partnerbetriebe rund 5000 Menschen auf dem Werksgelände.

    Des weiteren will die Tarifkommission für Bochum den Ausschluß von Kündigungen bis Ende 2018 und die Rücknahme des Beschlusses, die Getriebefertigung in diesem Jahr einzustellen, erreichen. Die Forderung nach Fortführung der Automobilproduktion – aktuell läuft in Bochum der Famlienvan »Zafira« vom Band – findet sich in der Resolution hingegen nicht. Bochums Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel will das Papier deshalb nicht komplett mittragen. Von einem Streit innerhalb des Gesamtbetriebsrats mochte er gegenüber Medienvertretern dennoch nicht sprechen: »Das Unternehmen spielt die Werke gerne gegeneinander aus. Ich hoffe, daß die Rüsselsheimer Kollegen klug genug sind, nicht darauf reinzufallen.

    Quelle: http://www.jungewelt.de vom 31.01.13

    Comment: Huste – 31. Januar 2013 @ 10:38

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