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Gewalttäter im Ballerinaröckchen. Dortmunder Neofaschist wurde schon wieder aus Untersuchungshaft entlassen. Von Markus Bernhardt

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Bereits seit Jahren geht die nord­rhein-westfälische Justiz äußerst umsichtig mit dem aus Dortmund stammenden rechten Gewalttäter Sven Kahlin um. Erst letzte Woche Mittwoch wurde der überzeugte Neonazi wieder einmal aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm zuvor vorgeworfen, im Sommer 2011 gemeinsam mit seinem Bruder Jan und einer Gruppe von etwa zehn weiteren Personen mehrere Schlägereien angezettelt zu haben.

So war besagte Personengruppe damals ins nahegelegene Bochum gefahren, um dort in einer Tabledance-Bar einen Junggesellenabschied zu feiern. Im Verlauf des Tages soll Jan Kahlin zunächst einen Rumänen niedergeschlagen haben. Ein weiterer Mann wurde am Bochumer Hauptbahnhof von den Rechten attackiert, geschlagen und getreten.

Die Staatsanwaltschaft war bisher davon ausgegangen, daß dieser Angriff maßgeblich von Sven Kahlin verübt worden sei, der laut Ruhr Nachrichten an diesem Tag eine weiße Leggins und ein Ballerinaröckchen getragen haben soll. Die Behörde konnte dem Neonazi die Tat jedoch offensichtlich nicht hundertprozentig nachweisen – alle Tatbeteiligten trugen damals die gleichen T-Shirts. Sowohl Sven als auch Jan Kahlin hatten darüber hinaus vor Gericht zu den Vorwürfen geschwiegen.

Daß der militante Neonazi nun wieder auf freiem Fuß ist, dürfte in der Dortmunder Naziszene für Begeisterungsstürme sorgen, genießt dieser offensichtlich, unter anderem aufgrund seiner ausgeprägten Gewaltaffinität, einen guten Ruf unter den dortigen Gesinnungsgenossen. So war Kahlin 2005 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, weil er an einem U-Bahnhof den 32jährigen Punk Thomas Schulz, genannt »Schmuddel«, erstochen hatte (jW berichtete). Gutachter attestierten dem rechten Überzeugungstäter jedoch eine positive Sozialprognose. Er wurde schon 2010 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Nach Informationen antifaschistischer Organisationen soll er sich schließlich der im August letzten Jahres vom nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger (SPD) verbotenen Gruppierung »Skinhead Front Dortmund-Dorstfeld« angeschlossen haben. Die Mitglieder der für ihre Gewalttaten bekannten Gruppierung hatten in den vergangenen Jahren immer wieder für öffentliches Aufsehen gesorgt: Im Februar 2009, nach einem dank Protesten gescheiterten Naziaufmarsch in Dresden, griffen sie abreisende Antifaschisten auf einem Autobahnparkplatz an und verletzten sie teils schwer. Kahlin selbst soll 2010 außerdem an einem Angriff auf die Dortmunder Szenekneipe »Hirsch-Q« beteiligt gewesen sein. Ende 2011 attackierte er gemeinsam mit weiteren Gesinnungsgenossen, darunter wieder sein Bruder Jan, zwei jugendliche Migranten auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt und schlug diese grundlos brutal zusammen. Zwar verurteilte ihn das Dortmunder Landgericht Anfang 2013 dafür zu einer Haftstrafe von 21 Monaten, sah jedoch den rassistischen Hintergrund des Angriffes als nicht erwiesen an. Jan Kahlin kam gar mit einer Verwarnung und einem Wochenendarrest davon.

Quelle: jungewelt.de vom 25.04.13

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 25. April 2013 um 01:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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