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CIA wußte Bescheid. Anschlag auf Marathon in Boston: US-Geheimdienst verschwieg russische Warnung vor einem der angeblichen Attentäter. Von Knut Mellenthin

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Nicht nur die US-Bundespolizei FBI, sondern auch der Geheimdienst CIA war viele Monate vor dem Bombenanschlag beim Bostoner Marathonlauf am 15. April über russische Verdachtsmomente gegen einen der beiden angeblichen Attentäter informiert. Im Gegensatz zum FBI hat die CIA bisher nicht Stellung genommen, so daß sich alle großen Medien der USA am Mittwoch abend (Ortszeit) und Donnerstag in ihren Berichten auf anonyme Insiderquellen stützen mußten.

Daraus ergab sich das folgende Bild: Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte sich Ende September 2011 mit einer Warnung vor Tamerlan Tsarnajew und der Bitte um Informationsaustausch an die CIA gewandt. Diese veranlaßte daraufhin, daß der 26jährige, dessen Eltern aus dem Nordkaukasus stammen, im Oktober 2011 auf eine vom National Counterterrorism Center – einer nach dem 11. September 2001 eingerichteten Koordinierungsstelle – geführte sogenannte Watchlist gesetzt wurde. Diese mit dem Kürzel TIDE bezeichnete Datenbank soll insbesondere dafür sorgen, daß Ein- und Ausreisen der dort Registrierten an eine Reihe einschlägiger Dienststellen gemeldet werden. TIDE enthält US-amerikanischen Presseberichten zufolge rund 700000 Namen.

Das Alarmsystem »schlug an«, als Tsarnajew am 12. Januar 2012 nach Rußland ausreiste, wo er sich ein halbes Jahr lang in verschiedenen Teilen des Nordkaukasus aufhielt. Zumindest erklärte das die Ministerin für Innere Sicherheit, Janet Napolitano, am Dienstag. Zugleich behauptete sie aber, daß seine Wiedereinreise im Juli 2012 nicht angezeigt worden sei. Als Begründung gab sie an, daß die Untersuchung seines Falles in der Zwischenzeit »abgeschlossen« worden sei – angeblich ohne Anhaltspunkte für eine terroristische Tätigkeit.

Der Inhalt der Anfrage des FSB an die CIA vom September 2011 stimmte den Presseberichten zufolge mit der überein, die die Russen zuvor vergeblich beim FBI eingereicht hatten (jW berichtete). Aus den jüngsten Darstellungen ergibt sich, daß die Bundespolizei dieses Auskunftsersuchen im März 2011 erhalten hatte und standardmäßig anhand ihrer Datenbanken prüfte. Außerdem wurden Gespräche mit Tamerlan Tsarnajew und einigen seiner Angehörigen geführt. Im Juni 2011 soll entschieden worden sein, daß an der Sache nichts dran sei, und im August habe das FBI dieses Ergebnis den Russen übermittelt, verbunden mit der Bitte um zusätzliche und genauere Informationen. Darauf sei jedoch keine Antwort gekommen. Bisher gibt es zu dem gesamten Vorgang keine offizielle Stellungnahme von russischer Seite.

Unbestätigt und rätselhaft ist ein Bericht des Senders NBC vom Sonntag: Von einem nicht namentlich genannten »Polizeifunktionär« in Machatschkala, der Hauptstadt der nordkaukasischen Region Dagestan, habe man erfahren, daß der FSB sich im November 2012 erneut an das FBI gewandt und eine Akte über Tsarnajew übergeben habe. Dieser soll sich unter anderem sechsmal in einer »salafistischen« Moschee in Machatschkala mit einem Mann getroffen haben, der »in die militante islamische Untergrundbewegung verwickelt« sei. Nach Angaben der NBC-Quelle habe das FBI auf diese Mitteilungen des FSB »niemals geantwortet«. Die Bundespolizei FBI hat auf diesen Bericht, der von den großen US-Medien weitgehend ignoriert wurde, bisher nicht reagiert.

Quelle: www.jungewelt.de vom 26.04.12

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 26. April 2013 um 08:07 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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