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Armutsfalle Miete. Studie ermittelt: Wohnen in Ballungszentren treibt Familien in Existenznöte. Kosten bewirken vielfach Abrutschen unter Hartz-IV-Niveau. Von Ralf Wurzbacher

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Der herrschende Mietwucher treibt immer mehr Menschen in die Armut. Vielen einkommensschwachen Haushalten verbleibt nach Abzug ihrer Wohnkosten weniger Geld zum Leben als Hartz-IV-Beziehern. Laut einer am Montag von der Bertelsmann Stiftung vorgelegten Untersuchung gilt dies für fast zwei Drittel der größeren Städte in Deutschland. Mancherorts wird danach mehr als jeder zweite verfügbare Euro für ein Obdach aufgebracht. Besonders hart trifft es Geringverdiener in Jena: Hier muß sich eine vierköpfige Familie nach Überweisung der Miete im Schnitt mit 666 Euro im Monat durchschlagen.

Wie die Gütersloher Denkfabrik durch die empirica AG in der Studie »Wohnungsangebot für arme Familien in Großstädten« ermitteln ließ, haben es vor allem Familien in Ballungsgebieten immer schwerer, passenden und erschwinglichen Wohnraum zu finden. In den bundesweit 100 größten Städten gelten demnach lediglich 27 Prozent der Angebote als familiengeeignet.

Wo es auf dem Wohnungsmarkt eng zugeht, wird es bekanntlich teuer. Für Haushalte, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens zur Verfügung haben, sind den Befunden zufolge im Bundesdurchschnitt nur zwölf Prozent des Angebots finanzierbar. Mit Frankfurt (Main), Offenbach, München, Freiburg, Konstanz, Potsdam und Jena existieren gleich sieben Städte, in denen bloß ein Prozent des Angebots für entsprechende Familien bezahlbar ist.

Daraus folgt: Armut ist auch und vor allem eine Frage des Wohnorts. Der Studie zufolge haben Familien aus dem unteren Einkommenssegment in 60 der 100 größten Städte nach Begleichung der Miete im Schnitt weniger Geld zum Leben als solche, die Sozialleistungen erhalten. Als Rechenbeispiel dient eine vierköpfige Familie mit einem Kind unter sieben und einem zwischen sieben und 14 Jahren. Der fällige Hartz-IV-Regelsatz beträgt in diesem Fall 1169 Euro. Eine Vergleichsfamilie mit Erwerbseinkommen in Jena landete nach Abzug der Miete 43 Prozent unterhalb dieses festgelegten Existenzminimums. In Heilbronn mit seinem vergleichsweise entspannten Wohnungsmarkt verfügten einkommensschwache Familien dagegen um 66 Prozent mehr Geld als Hartz-IV-Bezieher.

»Mieten machen Mieter arm«, meldete sich gestern der Deutsche Mieterbund (DMB) zu Wort und forderte die Politik zum Handeln auf. »Wir brauchen mehr Wohnungsneubau, insbesondere auch mehr Sozialwohnungen und eine Begrenzung der Wiedervermietungsmieten«, forderte Verbandsdirektor Lukas Siebenkotten. Der Bundesregierung bescheinigte er eine katastrophale Bilanz. Besonders kritisierte er deren Änderung des Wohngeldgesetzes. Mit der Begründung, die Heizkosten seien gesunken, ist die entsprechende Komponente aus dem Gesetz ersatzlos gestrichen worden. »Es kann nicht sein, daß für einkommensschwächere Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis 1300 Euro die Wohnkostenbelastung mittlerweile auf über 45 Prozent geklettert ist, gleichzeitig aber die Zahl der Wohngeldempfänger zurückgeht und die Wohngeldansprüche sinken«, sagte Siebenkotten.

Quelle: www.jungewelt.de vom 23. 07. 13Die Linkspartei beziffert den Bedarf an sozialem Mietraum mit »mindestens 150 000« Wohnungen jährlich. Die verbraucherpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Caren Lay, mahnte am Montag zudem eine »effektive Mietpreisbremse« an. Lay weiter: »Unsere Städte sind für alle da. Gutes und bez

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 23. Juli 2013 um 12:30 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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