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Ein Promille Salafisten. Nur einige tausend der Millionen Muslime in Deutschland legen den Islam fundamentalistisch aus. Deren Tätigkeiten dienen der Politik zu Law-and-order-Reflexen. Von Gerrit Hoekman

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Sven Lau alias Abu Adam: Der islamistische Prediger hat die &raq
Sven Lau alias Abu Adam: Der islamistische Prediger hat die »Shariah Police« ins Leben gerufen – nach seinen eigenen Worten einmalig. Mediale Aufmerksamkeit ist ihm sicher
Foto: Marius Becker/dpa
Rund vier Millionen Muslime wohnen in der Bundesrepublik, fast die Hälfte von ihnen sind Deutsche. Die übergroße Mehrheit führt ein unauffälliges Leben, ganz so wie der Rest der Gesellschaft. Als erfolgreiche Geschäftsleute zahlen sie fleißig Steuern, werden Schützenkönig im Sauerland (wenn man sie läßt) und Prinz Karneval am Rhein, selbstverständlich sind sie auch in allen großen politischen Parteien aktiv. Manche Muslime gehen freitags in die Moschee wie andere Deutsche am Sonntag in die Kirche, vielen ist Religion aber auch völlig egal. Ungefähr 5000 Muslime haben sich dem radikalen Salafismus verschrieben, schätzen die Behörden. Eine verschwindend geringe Minderheit von etwas mehr als einem Promille. Und doch schaffen es die ultrareligiösen Außenseiter immer wieder, die gesamte muslimische Gemeinde unter Generalverdacht zu bringen. Beispielsweise, wenn ein paar junge Männer als »Shariah Police« durch Wuppertal streift und Jugendliche vor Alkohol, Glücksspiel und moderner Musik warnt. Die Fundamentalisten halten einen Köder hin und Medien und Politik schnappen gierig danach. »Wenn man die Kommentare in den Foren der Zeitungen liest, kann man schon den Eindruck gewinnen, daß alle Muslime in Sippenhaftung genommen werden sollen«, stellt Samir Bouaissa gegenüber derjungen Welt fest. Als Generalsekretär der Interessenvertretung Wuppertaler Moscheen spricht er für die 15 islamischen Gotteshäuser, die es heute in der Stadt gibt. »Bei einigen Mitbürgern entsteht aufgrund der Berichterstattung der Eindruck, daß alle Muslime an solchen Aktionen beteiligt sind, beziehungsweise diese gutheißen«, glaubt Bouaissa, der auch Beisitzer im Kreisvorstand der CDU ist. Seit der zweiten Belagerung Wiens durch die Osmanen anno 1683 hat der Islam dem Abendland nicht mehr so viel Angst eingejagt wie heute. Damals lag allerdings ein 120000 Mann starkes Heer vor der Stadt, heute sind ein paar tausend Salafisten bereits genug, um Panik zu verbreiten. Manchmal reicht sogar schon wie in Wuppertal ein Dutzend, wenn sie sich orangene Warnwesten überziehen. »Die Scharia wird auf deutschem Boden nicht geduldet«, droht Bundes­innenminister Thomas de Maizière. Sein Kollege aus Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, hat am Samstag umgehend die Warnwesten verboten, CDU-Mann Volker Kauder forderte gleich ein komplettes Verbot der Sittenwächter. Die Stadt Wuppertal hat eine Notrufnummer eingerichtet, bei der sich Bürger melden können, wenn sie sich bedrängt fühlen. So viel Aktion würde man sich mal wünschen, wenn Neonazis irgendwo in Deutschland die nächste Angstzone einrichten, in der sich Andersdenkende kaum noch auf die Straße wagen können. Vor dem Gesetz hat sich die Gruppe der Salafisten um den konvertierten ehemaligen Feuerwehrmann Sven Lau offenbar in Wuppertal nichts zuschulden kommen lassen. Im Prinzip machen sie bis jetzt nichts anderes als etwa die Heilsarmee – sie missionieren. »Sie haben vor allem junge Muslime aufgefordert, die Vorträge der Gruppierung zu besuchen«, weiß Samir Bouaissa. Das ist in der Bundesrepublik nicht verboten. Ob wegen der Warnwesten eine Amtsanmaßung vorlag, ist auch zweifelhaft. Erst jetzt, wo sie in Nordrhein-Westfalen verboten sind, kann die Polizei dagegen vorgehen. »Ich habe von Anfang an davor gewarnt, dieser Gruppe eine zu große Plattform zu bieten«, sagt Samir Bouaissa. »Diese Aktion kann nur als reine Provokation gedacht sein, um wieder mediale Aufmerksamkeit zu erlangen und Gesprächsthema zu werden.« Insofern kann man das Vorgehen der Salafisten als gelungen bezeichnen. Tatsächlich frohlockt die Szene im Internet. Die Hysterie betrachtet der Kommunalpolitiker mit Sorge: »Gerade dies ist Wasser auf die Mühlen der radikalen Kräfte. Ihr Hauptargument gegenüber den Jugendlichen ist: ›Ihr könnt euch anstrengen und integrieren wie ihr wollt, ihr werdet nie akzeptiert werden‹«. Angesichts der Vorurteile gegenüber Muslimen in Deutschland, ist das Argument nur schwer zu widerlegen. Bouaissa muß sich nach allen Seiten verteidigen. Fundamentalisten werfen ihm vor, den Koran zu lax auszulegen und vom wahren Weg abzukommen. Für die rechtsextreme Partei »Pro NRW« ist er hingegen selbst ein radikaler Islamist. Was schlägt der Sprecher der Wuppertaler Moscheen vor? »Uns ist es sehr wichtig, junge Muslime über ihren Glauben aufzuklären und ihnen entsprechendes Wissen zu vermitteln. Denn wer seinen Glauben und die wahren Werte des Islam, vor allem Toleranz gegenüber allen Mitmenschen, kennt und verinnerlicht hat, schenkt den Worten dieser Prediger keinen Glauben«, hofft Samir Bouaissa.
Quelle: www.jungewelt.de vom 09.09.14
Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 09. September 2014 um 11:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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