Wolfgang Huste Polit- Blog

Advent, Advent. Von Winfried Heinzel

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Es ist nicht zu übersehen, bald ist 1. Advent. Von den Behörden sind einige schon aktiv, denn hier oder dort an den Plätzen, erstrahlen schon große Weihnachtsbäume abends im Licht. In einem anderen Stadteil traf ich einen Mitarbeiter vom Gartenamt, der gerade dabei war die Weihnachtsbeleuchtung vorzubereiten und aufzuhängen. Er erzählte mir, das die Beleuchtung zusammen mit den Kometen, die er später an den Laternen hängt übrigens komplett von der Werbegemeinschaft e.V. finanziert wurde. Und so käme so langsam vorweihnachtliche Stimmung in unserem Viertel auf. Auch so mancher Hausbesitzer ist emsig dabei, seinen Weihnachtsbaum ebenfalls hell erleuchten zu lassen. Andere wiederum sind vorbereitet und haben ein bisschen gewerkelt. Selbst heutzutage sind Adventskranz und Weihnachtsbaum kein billiger Spaß mehr. Im Budget von Hartz IV-Empfängern ist für derartige Extra-Ausgaben kein Platz. Medien suggerieren, dass Weihnachten aus einem Übermaß an teuren Geschenken besteht und ALG 2 Empfänger können trotz leerem Geldbeutel dem dann nicht nachstehen. Sie möchten auch Weihnachten feiern, vor allem für ihre Kinder. An Weihnachten sind diese Menschen dann leichter zu verführen, denn im Internet gibt es zahlreiche Kreditunternehmen die mit hohen Zinsen und ohne Schufa Prüfung noch dem ärmsten Erwerbslosen einen Kredit verkaufen.

„Wenn Mensch keine Schulden hat, kommt man mit so wenig Geld zwei Jahre einigermaßen über die Runden. Erst dann macht sich die Armut bemerkbar, weil viele Sachen im Haushalt wie Kleidung und Schuhe kaputt gehen und zu ersetzen sind. Wenn die Betroffenen aber noch Ratenzahlungen zu leisten haben, dann wird es ganz schwer“. Die drei Klassengesellschaft hat schon seit einigen Jahren dank der Politik auch in Bundesdeutschen Haushalten Einzug genonnen. Das ist Advent 2014 für mehr als 6 Millionen Menschen in Deutschland.

Tja da Weihnachtsgeschäft ist selbst für so manchen Konzern ein wichtiges Datum, denn es macht zwischen 30-40% vom Umsatz aus, Profit um jeden Preis, damit Superreiche noch reicher werden, Kaufen was Kartelle einem vorwerfen – eben Kapitalismus pur.

Jedoch für die Armen in unserer Gesellschaft ist Weihnachten so nicht mehr gedacht. In unserer Republik ist die Armut zum politischen Geschäft geworden, indirekt produziert man Armut. Noch sind diese Stadtteile nicht isoliert sondern liegen in der sozialen Erodier Zone, dessen Abtrag allerdings auch nicht gestoppt wurde. Hier passiert einerseits eine soziale Verdrängung von denjenigen die sozial stärker sind zu Lasten jener die ärmer sind, wobei sich der Umfang Armut wiederum beschleunigen kann.

Die Beschleunigungsfaktoren sind nicht nur die fehlenden gut bezahlten Arbeitsplätze sondern dazu kommt der unaufhaltsame Anstieg der Mietspreise. Und da haben Menschen in HartzIV sowieso nichts mehr zu suchen. Wir kennen die Propaganda, die die Ärmsten zu Sündenböcken für das Versagen unseres Wirtschaftssystems macht und erkennen die Heuchelei dahinter. Unsere Bundesregierungen seit Schröder stellen Langzeitarbeitslose generell als „Parasiten“ und „Schmarotzer“ unter Generalverdacht. Ein kleines Gedicht:

Advent, Advent, ein Auto brennt,
Erst keins, dann seins, dann das vom Pastor,
so langsam kommt´s Euch französisch vor.
Zu guter Letzt schreist Du empört,
„Was jetzt brennt, das hat mir gehört!“

Advent, Advent, der Pöbel* rennt.
Kein Geld für Baum und Gänsebraten,
die Hartz-Reform ist wohl geraten.
am abgehängten Prekariat*
wird richtig kräftig eingespart.

Advent, Advent, wie man’s nicht kennt.
Im letzten Jahr noch Weihnachtsgeld
doch in der hochmodernen Welt,
bezeugen traurig Kinderaugen,
dass Billig-Löhner besser taugen.

Advent, Advent, die Zeit verpennt.
Der Engel Botschaft heißt hienieden:
„Vorbei ist der soziale Frieden,
vorbei ist’s mit der Heil’gen Nacht,
denkt solches hat Hartz IV gebracht.“

* Anmerkungen:
In den Vorstädten von Paris brannten im Jahre 2005 mehr als 1000 Autos. Ich war beruflich zu der Zeit in Aulnay-sous-Bois (nahe Paris) und habe es dort miterlebt. Frankreichs Innenminister Sarkozy seinerseits hatte zuvor den Hass der Jugendlichen geschürt, indem er sie als «Gesindel» bezeichnete, dem man sich mit einem Hochdruckreiniger entledigen müsse.

Recht und Gesetz, das ist doch nur die mehr oder minder durchsichtige Fassade vor dem einzigen Recht, das auf dieser Welt immer gegolten hat und weiter gilt, dem Faustrecht. Und mit Hochdruckreiniger sind die Wasserwerfer gemeint. Die unterschiedliche Durchsichtigkeit der Fassade wird beim Vergleich mit anderen aktuellen Ereignissen deutlich:

In Stuttgart hat man zwei Polizeiführer nach vier Jahren – wegen eines Wasserwerfereinsatzes im Stuttgarter Schloßgarten mit einer großen Zahl von zum Teil schwer Verletzten – doch noch vor Gericht gestellt und stellt das Verfahren nun gegen Zahlung einer lächerlichen Geldbuße ein. (Siehe hier http://www.kontextwochenzeitung.de/…/billiger-deal-2574.html)

Immer, wenn sich Menschen bei der Obrigkeit blutige Nasen holen, kommt von irgendwoher der Satz: sieh es ein, dass du nichts machen kannst
und halt die Schnauze, tritt zurück ins Glied, du hast deinen Auftritt gehabt und hoffentlich deine Lektion gelernt, denn beim nächsten Mal könnte es nicht mit einem blauen Auge abgehen. Wir sind alles nur dumme Kälber und Gäuler, die gemolken und zugeritten werden. Ein Gaul z.B. der sich nicht reiten lässt, landet beim Pferdemetzger. Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ebenso ihren Metzger selber.

In ihrem Hass-Pamphlet „Vorrang für die Anständigen“ vom Sommer 2005 stellte die damalige Deutsche Bundesregierung Langzeitarbeitslose generell als „Parasiten“ und „Schmarotzer“ unter Generalverdacht. Die im Schriftsatz gewählten Formulierungen wurden im Dritten Reich als Nazi-Propaganda gegen Juden verwendet. Die Regierung danach sowie die jetzige Regierung (GroKo) hat sich davon bislang nicht distanziert.

Dieser Beitrag wurde am Samstag, 29. November 2014 um 10:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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