Die Neonaziszene rüstet nicht nur in Bayern auf. Bei einer großangelegten Razzia wurde die Polizei auch in Sachsen-Anhalt fündig, wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) in ihrer Freitagausgabe berichtete. In vier Landkreisen des ostdeutschen Bundeslandes stießen Beamte nicht nur auf Hakenkreuzfahnen, Transparente mit Naziparolen und Fackeln. Gefunden wurden auch ein Gewehr und 237 Sprengkörper. Die Polizei beschlagnahmte außerdem Handys und EDV-Technik zur Auswertung.
Den Angaben zufolge hatten am Dienstag Beamte in Mansfeld-Südharz, im Saalekreis, im Salzland und im Landkreis Börde zeitgleich acht Wohnungen von zwölf Angehörigen der rechten Szene durchsucht. Fünf davon befinden sich in Mansfeld-Südharz. Auch der dort lebende bekannte Neonazi Enrico Marx soll involviert sein und Besuch von Kriminalbeamten erhalten haben. Marx fungiert als Stützpunktleiter der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und gilt als einer der führenden Kader der rechten Szene im Süden Sachsen-Anhalts. Im Dezember 2005 hatte ihm die Verwaltungsgemeinschaft Allstedt-Kaltenborn die Genehmigung für seinen Versandhandel von rechter Musik und Bekleidung aufgrund von Gesetzesverstößen entzogen. Sein Anwesen in Sotterhausen ist ein in Neonazikreisen bekannter Szenetreffpunkt. Marx hatte zum Beispiel den rechten Aufmarsch am 1. Mai vergangenen Jahres in Halle angemeldet, zu dem knapp tausend Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren.
Bei der Pressestelle des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen-Anhalt war für junge Welt am Freitag niemand zu erreichen. Die MZ zitierte einen Sprecher: »Bei der Menge fragt man sich schon, was die damit vorgehabt haben.« Über mögliche Pläne für Anschläge wollte er aber nicht spekulieren. Sprengstoffexperten der Polizei schätzen nach MZ-Angaben das Arsenal als »schlagkräftig und gefährlicher als alles, was in Deutschland zugelassen ist« ein. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen nun Hinweisen auf organisierte Strukturen nach, da man »gruppenähnliche Zusammenhänge vermutet«, heißt es weiter.
Die Razzia erfolgte aufgrund eines Durchsuchungsbeschlusses des Amtsgerichtes Magdeburg. Eigentlicher Anlaß dafür war ein unangemeldeter Neonaziaufmarsch Ende Dezember 2011 im sachsen-anhaltischen Haldensleben (Landkreis Börde). Damals marschierten rund 30 Rechte mit Fackeln und einschlägigen Transparenten durch die Innenstadt. Dabei warfen sie Feuerwerkskörper und riefen Neonaziparolen. Anwohner hatten die Polizei informiert. Die ermittelt seitdem gegen sieben Beschuldigte, denen die Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen sowie Verstöße gegen das Sprengstoff- und das Versammlungsgesetz vorgeworfen wird. Derzeit wertet die Polizei Handy- und Computerdaten aus.
Quelle: www.jungewelt.de vom 03.03.12
« Unglaublicher Zufall. Waffenfunde bei Neonazis in Bayern. Von Claudia Wangerin – Massenprotest gegen Neonazis in Münster »
Sorry, the comment form is closed at this time.
Kleiner Tipp an die Polizei in Bad Neuenahr, Kreis Ahrweiler und den Innengeheimdienst, der hier mitliest: Besucht mal das „braune Haus“- dort ist die Chance groß, ebenfalls Waffen zu finden.
Kommentar: Wolfgang Huste – 03. März 2012 @ 17:25