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Lieber, guter Taliban. Von Arnold Schölzel

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Am 18. Dezember 2010 trat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor Soldaten des deutschen Truppenkontingents in Afghanistan und erklärte: »Wir haben hier nicht nur kriegsähnliche Zustände, sondern Sie sind in Kämpfe verwickelt, wie man sie im Krieg hat.« Die Verwendung der Vokabel »Krieg« bauschte die Mehrheit der deutschen Medien zur Sensation auf. Neun Jahre Verharmlosung seien vorbei, hieß es, obwohl nur »wie im Krieg« gesagt worden war. Allzu weit entfernte sich die Oberkommandierende damit nicht von früheren Sprachregelungen wie »Friedensmission« (Gerhard Schröder/Joseph Fischer), »Stabilisierungseinsatz« (Franz Josef Jung) oder »kriegsähnlicher Konflikt« (Karl-Theodor zu Guttenberg). Weniger Beachtung fand eine andere Aussage der Kanzlerin, die von Nachrichtenagenturen so wiedergegeben wurde: »›Das ist für uns eine völlig neue Erfahrung: Wir haben das sonst von unseren Eltern gehört im Zweiten Weltkrieg‹, sagte Merkel. Das sei aber eine andere Situation gewesen, weil Deutschland damals der Angreifer gewesen sei.« Nach neun Jahren Beteiligung an einem Angriffskrieg ist demnach für »uns« die Kriegserfahrung »völlig neu«, sind nicht »wir« die Angreifer, sondern Afghanistan. Diese Betrachtungsweise erinnert allerdings an den Zweiten Weltkrieg, in dem laut bundesdeutschem Gründungsmythos Deutsche vor allem Opfer waren – der Nazis, der Roten Armee und Stalins, der Polen, der Tschechen und aller, die 1945ff. – völlig unberechtigt – eine Rechnung präsentierten. Auch bei der Landesverteidigung am Hindukusch sind nun Deutsche in erster Linie Leidtragende. Merkels Denkweise verbindet tatsächlich ihre Kriegführung mit der im Zweiten Weltkrieg. Die Frage ist lediglich, wann die Rechnung präsentiert wird. Lieber, guter Taliban, zieh die langen Stiefel an, kämme deinen weißen Bart, mach dich auf die Himmelsfahrt. Komm doch auch in unser Haus, packe die Geschenke aus. Ach, erst das Sprüchlein wolltest du? Ja, ich kann es, hör mal zu: Lieber, guter Taliban, guck mich nicht so böse an. Stecke deine Rute ein, will auch immer artig sein! (Unbekannter Autor) Quelle: www.jungewelt.de vom 24.12.10
Dieser Beitrag wurde am Freitag, 24. Dezember 2010 um 14:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Blog abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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